

16. Präsident der Vereinigten Staaten von 1861 bis 1865
Petersen House
4
Lincoln Tomb
Abraham Lincoln (* 12. Februar 1809 nahe Hodgenville, Kentucky; gestorben am 15. April 1865 in Washington, D.C.) war ein US-amerikanischer Politiker und der 16. Präsident der Vereinigten Staaten. Er führte die Union durch den Bürgerkrieg, verband den Krieg mit der Emanzipation versklavter Menschen und wurde kurz nach Kriegsende ermordet. Lincoln gehört zu den prägenden Figuren der amerikanischen Geschichte, aber seine Bedeutung liegt nicht in einem einfachen Heldenbild, sondern in politischer Arbeit unter extremem Druck.

Lincoln wurde in einer Blockhütte in Kentucky geboren und wuchs unter einfachen Bedingungen in Kentucky, Indiana und Illinois auf. Seine formale Schulbildung war begrenzt, doch er eignete sich viel Wissen selbst an. Er arbeitete unter anderem als Ladenangestellter, Landvermesser und Postmeister, bevor er in Illinois politisch aktiv wurde und als Anwalt arbeitete. Diese Herkunft wurde später oft verklärt. Tatsächlich war sie vor allem Teil eines langen, mühsamen Aufstiegs in einer jungen Republik, in der soziale Bewegung möglich war, aber keineswegs selbstverständlich.
In den 1830er- und 1840er-Jahren wurde Lincoln zu einer bekannten Figur in Illinois. Er gehörte zunächst den Whigs an, saß im Parlament von Illinois und für eine Amtszeit im US-Repräsentantenhaus. Der politische Kern seiner späteren nationalen Bedeutung entstand in der Auseinandersetzung um die Ausbreitung der Sklaverei. Lincoln war nicht von Beginn an ein radikaler Abolitionist. Er entwickelte seine Position in einem politischen Umfeld, in dem Verfassung, Union, Eigentumsinteressen, Rassismus und moralische Fragen miteinander rangen. Die Debatten mit Stephen A. Douglas 1858 machten ihn landesweit sichtbar.
1860 wurde Lincoln als Kandidat der Republikanischen Partei zum Präsidenten gewählt. Seine Wahl beschleunigte die Sezession südlicher Staaten; im April 1861 begann mit dem Angriff auf Fort Sumter der Bürgerkrieg. Lincoln musste eine Regierung führen, Armeen aufbauen, politische Gegner einbinden, Grenzstaaten halten und zugleich den Sinn des Krieges schrittweise neu bestimmen. Sein erstes Ziel war die Erhaltung der Union. Doch die Frage der Sklaverei ließ sich nicht aus dem Krieg heraushalten, weil sie dessen Ursache und Machtgrundlage war.

Am 1. Januar 1863 setzte Lincoln die Emancipation Proclamation in Kraft. Sie befreite nicht sofort alle versklavten Menschen in den Vereinigten Staaten, aber sie veränderte den Charakter des Krieges: Die Union kämpfte nun ausdrücklich auch gegen die Sklaverei in den rebellierenden Gebieten. Im November 1863 hielt Lincoln die Gettysburg Address, eine sehr kurze Rede, die den Bürgerkrieg als Prüfung der Demokratie deutete. Ihre Wirkung entstand nicht aus Länge oder Ausschmückung, sondern aus Verdichtung: Opfer, Gleichheit, Volkssouveränität und die Frage, ob eine freie Regierung bestehen kann.

1864 wurde Lincoln wiedergewählt. Anfang 1865 unterstützte er den 13. Zusatzartikel, der die Sklaverei in den Vereinigten Staaten dauerhaft abschaffen sollte; der Kongress verabschiedete ihn am 31. Januar 1865, die Ratifizierung folgte nach Lincolns Tod. In seiner zweiten Antrittsrede suchte Lincoln keine triumphale Sprache, sondern sprach von Schuld, Krieg und einer Zukunft ohne Rachsucht. Wenige Wochen später kapitulierte die konföderierte Hauptarmee unter Robert E. Lee bei Appomattox. Der Krieg war noch nicht vollständig beendet, aber sein Ausgang war entschieden.
Am 14. April 1865 wurde Abraham Lincoln im Ford's Theatre in Washington von John Wilkes Booth angeschossen. Er starb am Morgen des 15. April im Petersen House gegenüber dem Theater. Lincoln wurde 56 Jahre alt. Sein Tod verstärkte den nationalen Mythos um seine Person, doch seine historische Bedeutung bleibt konkreter: Er hielt die Union im Bürgerkrieg zusammen, machte Emanzipation zu einem Kriegsziel und öffnete den Weg zur Abschaffung der Sklaverei. Zugleich blieb die Frage, wie Freiheit nach dem Krieg tatsächlich gelebt werden sollte, eine Aufgabe, die weit über sein Leben hinausreichte.
bis 1865