

Deutscher Filmemacher, Fernsehproduzent, Schriftsteller, Drehbuchautor, Philosoph und Rechtsanwalt
Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden
Alexander Kluge (* 14. Februar 1932 in Halberstadt; gestorben am 25. März 2026 in München) war ein deutscher Schriftsteller, Filmemacher, Drehbuchautor, Fernsehproduzent, Jurist und öffentlicher Intellektueller. Er verband Literatur, Film, Kritische Theorie, Medienarbeit und politisches Denken zu einem Werk, das die deutsche Nachkriegskultur über Jahrzehnte prägte.
Kluge wurde in Halberstadt als Sohn eines Landarztes geboren. Er studierte Rechtswissenschaft, Geschichte und Kirchenmusik in Marburg und Frankfurt am Main und promovierte 1956 zum Dr. jur. In Frankfurt kam er mit dem Institut für Sozialforschung und Theodor W. Adorno in Berührung. Adorno stellte ihn Fritz Lang vor; aus dieser Begegnung entstand ein früher Weg zum Film. Kluge arbeitete zunächst als Anwalt, doch seine eigentliche Arbeit verlagerte sich bald in Schreiben, Film und Theorie.
Am 28. Februar 1962 gehörte Kluge zu den Unterzeichnern des Oberhausener Manifests. Die Gruppe junger Filmschaffender forderte ein anderes Kino, das sich von Konventionen der Nachkriegsunterhaltung löste und neue ästhetische, politische und wirtschaftliche Freiheiten suchte. Kluge wurde damit zu einer Schlüsselfigur des Neuen Deutschen Films. Gemeinsam mit Edgar Reitz und Detlev Schleiermacher war er auch am Institut für Filmgestaltung an der Hochschule für Gestaltung Ulm beteiligt.
Mit Abschied von gestern wurde Kluge 1966 international sichtbar; der Film erhielt in Venedig den Silbernen Löwen. Zwei Jahre später gewann Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos den Goldenen Löwen. Kluges Filme arbeiteten mit Brüchen, Dokumenten, Kommentaren, Montage und offenen Denkbewegungen. Sie erzählten Geschichte nicht als glatte Handlung, sondern als Geflecht aus Erfahrungen, Machtverhältnissen, Gefühlen und Zufällen.
Parallel zum Film schrieb Kluge Erzählungen, Essays und theoretische Arbeiten. Zu seinen wichtigen Büchern gehören Lebensläufe, Schlachtbeschreibung und die zweibändige Chronik der Gefühle. Mit dem Sozialphilosophen Oskar Negt veröffentlichte er Öffentlichkeit und Erfahrung, Geschichte und Eigensinn sowie weitere Arbeiten zur politischen Öffentlichkeit. Kluge interessierte sich für die Frage, wie Menschen historische Erfahrung verarbeiten, wie Gefühle Wissen prägen und wie Öffentlichkeit entstehen kann.
1987 gründete Kluge die Produktionsfirma dctp mit. Über Sendefenster im Privatfernsehen brachte er Gespräche, Kulturmagazine, Wissenschaft, Literatur und ungewöhnliche Bildmontagen in Programme, die sonst stark kommerziell geprägt waren. Dieses Fernsehen war nicht auf schnelle Erklärung angelegt. Es bot späte, oft eigenwillige Räume für lange Gedanken, überraschende Fragen und Begegnungen mit Künstlern, Forschern, Schriftstellern und politischen Stimmen.
Kluge wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Georg-Büchner-Preis, dem Adolf-Grimme-Preis, dem Fontane-Preis, dem Kleist-Preis, dem Heinrich-Heine-Preis und filmischen Ehrungen in Venedig. Wichtiger als die Zahl der Preise ist die Spannweite seines Werks: Er bewegte sich zwischen Buch, Kino, Fernsehen, Ausstellung, Gespräch und Theorie, ohne diese Felder sauber voneinander zu trennen. Gerade daraus entstand seine besondere Form der Gegenwartsbeobachtung.
Alexander Kluge starb am 25. März 2026 in München im Alter von 94 Jahren. Sein Werk bleibt als große Sammlung von Geschichten, Bildern und Gedanken über das 20. und frühe 21. Jahrhundert. Er zeigte, dass Erinnerung nicht nur bewahrt, sondern immer wieder neu zusammengesetzt wird: aus Dokumenten, Stimmen, Gefühlen, Zufällen und der Aufmerksamkeit für das, was zwischen den offiziellen Erzählungen liegt.