
Deutschstämmiger Ökonom
André Gunder Frank, geboren als Andreas Frank, (* 24. Februar 1929 in Berlin; gestorben am 23. April 2005 in Luxemburg) war ein deutsch-amerikanischer Ökonom, Soziologe und Wirtschaftshistoriker. Seine Arbeiten zu Abhängigkeit, Unterentwicklung und Weltsystemen stellten die üblichen Entwicklungserzählungen der Nachkriegszeit grundsätzlich in Frage.
Frank wurde in Berlin als Sohn des Schriftstellers Leonhard Frank geboren. Die Familie verließ Deutschland im Umfeld der nationalsozialistischen Machtübernahme. Frank kam als Kind in die Schweiz und später in die Vereinigten Staaten. Er studierte am Swarthmore College, an der University of Michigan und an der University of Chicago, wo er 1957 promovierte.
In den frühen 1960er Jahren wandte sich Frank von einer rein US-amerikanischen akademischen Laufbahn ab und ging nach Lateinamerika. Er arbeitete unter anderem in Brasilien, Mexiko und Chile. Die Erfahrungen in lateinamerikanischen Universitäten und politischen Debatten wurden für seine Theoriearbeit entscheidend. Nach dem Militärputsch in Chile 1973 verließ er das Land.
Mit Texten wie The Development of Underdevelopment und dem Buch Capitalism and Underdevelopment in Latin America griff Frank die Vorstellung an, arme Länder befänden sich auf einer früheren Stufe derselben Entwicklung. Für ihn entstand Unterentwicklung durch historische Einbindung in kapitalistische Weltmärkte, durch Abhängigkeiten zwischen Zentrum und Peripherie und durch politische Machtverhältnisse.
Später arbeitete Frank an langen historischen Perspektiven. Er lehrte unter anderem an der University of East Anglia und an der Universität Amsterdam. In Büchern wie World Accumulation, The World System und ReOrient rückte er globale Verflechtungen, Asien, Handel und Machtverschiebungen über Jahrhunderte hinweg in den Vordergrund. Dabei widersprach er auch anderen Weltsystem-Ansätzen, wenn sie seiner Ansicht nach zu sehr von Europa aus dachten.
André Gunder Frank starb am 23. April 2005 in Luxemburg. Er wurde 76 Jahre alt. Sein Werk bleibt mit Debatten über Abhängigkeit, globale Ungleichheit, Kapitalismus und die Frage verbunden, wie Weltgeschichte erzählt wird, wenn Europa nicht als natürlicher Mittelpunkt gilt.
Niederländischer ordentlicher Professor · bis 1987
Niederländischer ordentlicher Professor · bis 1994