

Französische Schauspielerin
Cimetière Montparnasse
Anne Wiazemsky (* 14. Mai 1947 in Berlin; gestorben am 5. Oktober 2017 in Paris) war eine französische Schauspielerin, Regisseurin und Schriftstellerin. Sie wurde durch Filme von Robert Bresson, Jean-Luc Godard und Pier Paolo Pasolini bekannt und entwickelte später eine eigene literarische Arbeit, in der Erinnerung, Familie und Kino ineinandergriffen.
Wiazemsky wurde in Berlin geboren. Ihr Vater Yvan Wiazemsky war französischer Diplomat mit russischen Wurzeln, ihre Mutter Claire Mauriac war die Tochter des Literaturnobelpreisträgers François Mauriac. Wegen der diplomatischen Laufbahn des Vaters lebte die Familie in mehreren Ländern, darunter in der Schweiz und in Venezuela. Nach dem Tod des Vaters kehrte Anne Wiazemsky 1962 nach Paris zurück.
Mit achtzehn Jahren stand Wiazemsky in Robert Bressons Au hasard Balthazar vor der Kamera. Der Film wurde zu einem Schlüsselwerk des europäischen Kinos und machte sie als Darstellerin einer stillen, verletzlichen, zugleich schwer fassbaren Figur bekannt. In späteren Erinnerungen beschrieb sie die Dreharbeiten auch als ambivalente Erfahrung, geprägt von künstlerischer Strenge und persönlicher Bedrängnis.
1967 spielte Wiazemsky in Jean-Luc Godards La Chinoise eine Studentin im Bann politischer Theorie und revolutionärer Sprache. Im selben Jahr heiratete sie Godard. Es folgten Filme wie Week End und One Plus One. Wiazemsky wurde Teil einer Phase, in der französisches Kino, Studentenbewegung und politische Radikalisierung eng beieinanderlagen. Ihre Rollen waren dabei nicht bloße Begleitung eines Regisseurs, sondern Figuren einer Generation, die nach neuen Bildern und neuen Worten suchte.
Auch Pier Paolo Pasolini besetzte Wiazemsky, unter anderem in Teorema und Porcile. In den 1970er-Jahren arbeitete sie weiter im Film, wandte sich aber zunehmend vom Bild der jungen Nouvelle-Vague-Darstellerin ab. Sie trat später auch als Regisseurin von Fernseharbeiten hervor. Der Wechsel zur Literatur war kein Bruch, sondern eine Verlagerung: Sie erzählte nun selbst, statt nur von anderen Blicken geformt zu werden.
Ab den späten 1980er-Jahren veröffentlichte Wiazemsky Romane und autobiografisch geprägte Bücher. Werke wie Canines, Une poignée de gens, Jeune fille und Un an après verbanden Familiengeschichte, Erinnerung und die Erfahrung des Kinos. Sie erhielt mehrere Literaturpreise, darunter den Prix Goncourt des lycéens und den Grand Prix du roman der Académie française. Ihre Bücher gaben ihr eine zweite öffentliche Stimme.
Anne Wiazemsky starb am 5. Oktober 2017 in Paris an Krebs. Sie wurde 70 Jahre alt. Ihr Werk bleibt zwischen Film und Literatur angesiedelt: als Geschichte einer Frau, die erst zur Projektionsfläche des europäischen Autorenkinos wurde und später eigene Erinnerungsräume schrieb.
bis 1970
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