

Deutsch-niederländischer Adeliger, Prinz der Niederlande
Universitair Medisch Centrum Utrecht, Utrecht
Deutsches Kaiserreich
Lippische Landeskirche
Nieuwe Kerk
Bernhard zur Lippe-Biesterfeld (* 29. Juni 1911 in Jena; gestorben am 1. Dezember 2004 in Utrecht) war ein deutschstämmiger Prinz der Niederlande, Ehemann der späteren Königin Juliana und Vater von Königin Beatrix. Im Zweiten Weltkrieg wurde er zu einer sichtbaren Figur der niederländischen Exilregierung und der Binnenlandse Strijdkrachten. Später verband sich sein Name mit dem WWF, den Bilderberg-Treffen und der Lockheed-Affäre.
Bernhard stammte aus dem Haus Lippe-Biesterfeld und studierte Rechtswissenschaft in Lausanne, München und Berlin. In den 1930er-Jahren gehörte er nationalsozialistischen Organisationen an; 2023 bestätigte das niederländische Königshaus die Echtheit seiner NSDAP-Mitgliedskarte. Bernhard hatte eine Parteimitgliedschaft bis kurz vor seinem Tod bestritten. Diese Vorgeschichte steht neben seiner späteren Rolle im niederländischen Widerstand und macht seine öffentliche Erinnerung bis heute widersprüchlich.
Am 7. Januar 1937 heiratete Bernhard Kronprinzessin Juliana. Er nahm die niederländische Staatsbürgerschaft an und wurde Prinz der Niederlande. Als Deutschland 1940 die Niederlande besetzte, brachte er seine Familie nach England und kehrte zunächst zu niederländischen Truppen zurück. Im Exil übernahm er militärische Verbindungsaufgaben, lernte fliegen und wurde 1944 Befehlshaber der niederländischen Binnenlandse Strijdkrachten.
Am 5. Mai 1945 war Bernhard in Wageningen anwesend, als über die Kapitulation der deutschen Truppen in den Niederlanden verhandelt wurde. Für viele Niederländer verband sich mit ihm deshalb ein Bild von militärischer Rückkehr und Befreiung. Dieses Bild war real, aber nicht vollständig: Es überdeckte lange die Fragen nach seinen frühen politischen Bindungen in Deutschland.
Nach dem Krieg trat Bernhard als Prinzgemahl, Interessenvermittler und internationaler Netzwerker auf. 1954 initiierte er die Bilderberg-Treffen, die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entscheidungsträger aus Europa und Nordamerika zusammenbrachten. Im Naturschutz wurde er ebenfalls einflussreich: Der WWF nennt ihn seinen Gründungspräsidenten; dieses Amt hatte er von 1962 bis 1976 inne. Bernhard nutzte Rang, Kontakte und öffentliche Aufmerksamkeit, um Geld und Unterstützung für solche Projekte zu mobilisieren.
1976 erschütterte die Lockheed-Affäre das niederländische Königshaus. Eine Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass Bernhard hohe Zahlungen des US-Flugzeugbauers Lockheed angenommen hatte, um Rüstungsgeschäfte in den Niederlanden zu beeinflussen. Strafrechtlich wurde er nicht verfolgt, doch er musste öffentliche Ämter niederlegen und verlor zentrale militärische Funktionen. Der Skandal beschädigte den Nimbus des Prinzen und zeigte, wie eng Hof, Militär, Wirtschaft und persönliche Netzwerke bei ihm verbunden waren.
Bernhard zur Lippe-Biesterfeld starb am 1. Dezember 2004 in Utrecht an Krebs. Er wurde 93 Jahre alt. Sein Lebensweg lässt sich nicht auf eine einzelne Rolle reduzieren: Er war Prinzgemahl, militärischer Vertreter im Exil, Förderer internationaler Initiativen und zugleich eine Figur mit schwer belasteter NS-Vergangenheit und Korruptionsskandal. In der Erinnerung an ihn bleiben diese Ebenen nebeneinander bestehen.
bis 1929
bis 1936
bis 2004