

Litauisch-kanadischer Primatologe und Naturschützer
Birutė Galdikas (* 10. Mai 1946 in Wiesbaden; gestorben am 24. März 2026 in Los Angeles) war eine kanadische Primatologin, Anthropologin und Naturschützerin litauischer Herkunft. Sie widmete mehr als fünf Jahrzehnte der Erforschung und dem Schutz der Orang-Utans auf Borneo. Neben Jane Goodall und Dian Fossey gehörte sie zu den von Louis Leakey geförderten Forscherinnen, die das Bild der Menschenaffenforschung grundlegend veränderten.
Galdikas wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in einem deutschen Flüchtlingslager geboren. Ihre Eltern stammten aus Litauen und zogen später mit der Familie nach Kanada. Sie wuchs in Toronto auf und studierte zunächst in Vancouver, später an der University of California, Los Angeles. Dort beschäftigte sie sich mit Psychologie, Zoologie und Anthropologie. Die Begegnung mit Louis Leakey wurde entscheidend, weil er ihre Idee unterstützte, wilde Orang-Utans langfristig in ihrem Lebensraum zu untersuchen.
1971 ging Galdikas nach Tanjung Puting in Kalimantan auf Borneo. Dort gründete sie Camp Leakey, benannt nach ihrem Mentor. Die Bedingungen waren schwierig: Sumpfwald, Hitze, Krankheiten, schlechte Wege und kaum Kommunikationsmöglichkeiten. Gerade deshalb war ihre Arbeit wissenschaftlich bedeutsam. Orang-Utans waren damals deutlich weniger erforscht als Schimpansen oder Gorillas. Galdikas beobachtete ihr Sozialverhalten, ihre Ernährung, ihre langen Geburtenabstände und ihre Beziehung zum Wald über außergewöhnlich lange Zeiträume.
Aus der Feldforschung wurde zunehmend praktische Schutzarbeit. Galdikas setzte sich für den Lebensraum der Orang-Utans ein, unterstützte die Rehabilitation beschlagnahmter oder verwaister Tiere und machte auf Wilderei, illegalen Tierhandel und Entwaldung aufmerksam. 1986 gründete sie Orangutan Foundation International. Ihre Arbeit verband Wissenschaft, Naturschutz, politische Überzeugungsarbeit und lokale Kooperationen. Sie zeigte, dass die Erforschung einer Art nicht von der Frage zu trennen ist, ob ihr Lebensraum erhalten bleibt.
Galdikas wurde durch National Geographic und spätere Dokumentationen international bekannt. Ihr Name stand für eine andere Art von Forschung: geduldig, dauerhaft, nah am einzelnen Tier und zugleich auf ganze Ökosysteme gerichtet. Die Nähe zu rehabilitierten Orang-Utans brachte ihr Anerkennung, aber auch Diskussionen über Methoden und Grenzen menschlicher Fürsorge für Wildtiere. Diese Debatten gehören zur Geschichte der modernen Primatologie und des Artenschutzes.
Birutė Galdikas starb am 24. März 2026 in Los Angeles. Ihr Lebenswerk bleibt mit Camp Leakey, mit dem Schutz der Orang-Utans und mit einer Langzeitforschung verbunden, die Geduld als wissenschaftliche Stärke verstand. Ihre Arbeit machte sichtbar, wie eng das Leben einzelner Tiere, die Zukunft eines Regenwaldes und menschliche Verantwortung miteinander verbunden sind.