

Deutsch-österreichische Historikerin und Autorin
Grinzinger Friedhof
Brigitte Hamann, geboren als Brigitte Deitert, (* 26. Juli 1940 in Essen; gestorben am 4. Oktober 2016 in Wien) war eine deutsch-österreichische Historikerin, Autorin und Journalistin. Ihre Bücher über Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth, Hitlers Wien, Bertha von Suttner und Winifred Wagner machten historische Figuren, Archive und politische Milieus für viele Leserinnen und Leser zugänglich.
Hamann wuchs im Ruhrgebiet auf und studierte Germanistik und Geschichte in Münster und Wien. Nach einem Volontariat bei der Deutschen Presse-Agentur arbeitete sie als Redakteurin in Essen. 1965 heiratete sie den Wiener Historiker Günther Hamann und zog nach Wien. Dort wurde Österreich, seine Archive und seine politische Geschichte zum Zentrum ihrer Arbeit.
Ihre Dissertation über Kronprinz Rudolf erschien 1978 unter dem Titel Rudolf. Kronprinz und Rebell. 1982 folgte Elisabeth. Kaiserin wider Willen. Hamann löste Kaiserin Elisabeth aus vielen romantischen Sisi-Bildern und stellte Hof, Familie, körperliche Krisen, Reisen und politische Umgebung nebeneinander. Der Erfolg des Buches machte sie weit über das akademische Fach hinaus lesbar.
Mit Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators untersuchte Hamann die Wiener Jahre Adolf Hitlers. Sie fragte nach Stadtmilieu, Antisemitismus, Armut, politischen Strömungen und persönlicher Entwicklung. Das Buch wurde in der Forschung breit rezipiert, weil es Hitlers frühe Jahre aus vielen lokalen Quellen und nicht aus späteren Selbstdeutungen heraus las.
Hamann schrieb auch über Bertha von Suttner, Maria Theresia, Winifred Wagner und Eduard Bloch, den jüdischen Arzt von Hitlers Mutter. Wiederkehrend war ihr Interesse an Lebenswegen, in denen private Entscheidungen und politische Systeme ineinandergreifen. Sie schrieb quellennah, aber verständlich, und öffnete historische Stoffe für Leserinnen und Leser, die keine Fachsprache suchten.
Brigitte Hamann starb am 4. Oktober 2016 in Wien. Sie wurde 76 Jahre alt. Ihr Werk bleibt mit sorgfältiger Archivarbeit, erzählerischer Klarheit und einem Blick auf die Ambivalenzen österreichischer und deutscher Geschichte verbunden.