

Deutsche Schriftstellerin
Berlin
Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden
Christa Wolf (* 18. März 1929 in Landsberg an der Warthe, heute Gorzów Wielkopolski; gestorben am 1. Dezember 2011 in Berlin) war eine deutsche Schriftstellerin, Essayistin und Drehbuchautorin. Sie gehörte zu den wichtigsten literarischen Stimmen der DDR. Ihre Bücher verbanden persönliche Erinnerung, gesellschaftliche Erfahrung und politische Selbstbefragung, besonders in Der geteilte Himmel, Nachdenken über Christa T., Kindheitsmuster und Kassandra.
Christa Wolf wurde als Christa Ihlenfeld in Landsberg an der Warthe geboren. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs floh die Familie nach Mecklenburg. Wolf studierte Germanistik in Jena und Leipzig, heiratete den Schriftsteller Gerhard Wolf und arbeitete zunächst als Lektorin, Redakteurin und Mitarbeiterin im literarischen Betrieb der DDR. Diese Nähe zu Institutionen der DDR war ein Teil ihrer Biografie, ebenso wie die spätere Distanz zu staatlicher Bevormundung.
Mit Der geteilte Himmel wurde Wolf 1963 weithin bekannt. Der Text erzählt eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der deutschen Teilung und der frühen DDR. In Nachdenken über Christa T. löste sie sich weiter von einfachen Mustern des sozialistischen Realismus und stellte Erinnerung, Zweifel und subjektive Wahrnehmung in den Mittelpunkt. Ihre Bücher waren in der DDR und im Westen viel gelesen, aber sie standen immer wieder im Spannungsfeld von Anerkennung, Zensur und politischer Erwartung.
1976 gehörte Wolf zu den Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestierten. Das verstärkte ihre Distanz zum DDR-Kulturapparat. Nach 1990 wurde zugleich öffentlich, dass Wolf Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre kurzzeitig als inoffizielle Mitarbeiterin der Staatssicherheit geführt worden war. Später wurde sie selbst über Jahrzehnte von der Stasi überwacht. Wolf veröffentlichte ihre Akten und stellte sich der Debatte, die ihr Werk und ihre politische Rolle neu befragte.
Mit Kassandra verband Wolf antiken Stoff mit Fragen nach Krieg, Macht, weiblicher Stimme und historischer Blindheit. Störfall reagierte auf die Erfahrung von Tschernobyl und auf private Angst. 1980 erhielt sie den Georg-Büchner-Preis, 1987 den Geschwister-Scholl-Preis. Auch nach der deutschen Wiedervereinigung schrieb Wolf weiter über Erinnerung, Schuld, Selbstprüfung und die Brüche des 20. Jahrhunderts.
Christa Wolf starb am 1. Dezember 2011 in Berlin. Ihre Biografie lässt sich nicht auf Anpassung oder Widerstand verkürzen. Sie zeigt eine Schriftstellerin, die in der DDR lebte, an ihre Möglichkeiten glaubte, an ihren Grenzen litt und ihre eigenen Widersprüche literarisch immer wieder bearbeitete.