

Deutsche evangelische Theologin und Mystikerin
Dorothee Sölle, geboren als Dorothee Nipperdey (* 30. September 1929 in Köln; gestorben am 27. April 2003 in Göppingen), war eine deutsche evangelische Theologin, Schriftstellerin, Dichterin und Hochschullehrerin. Sie verband Theologie, Literatur, Mystik, Friedensarbeit und Gesellschaftskritik zu einer Sprache, die Glauben als öffentliche Verantwortung verstand.
Sölle wuchs in einer bildungsbürgerlichen Kölner Familie auf. Ihr Vater Hans Carl Nipperdey war Arbeitsrechtler, ihr Bruder Thomas Nipperdey wurde Historiker. Sie studierte klassische Philologie, Philosophie, Theologie und Germanistik in Köln, Freiburg und Göttingen. 1954 machte sie ihr Staatsexamen und promovierte mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit über die Nachtwachen von Bonaventura.
In den 1960er-Jahren arbeitete Sölle als Lehrerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Autorin und Dozentin. Ab 1968 gehörte sie in Köln zu den prägenden Stimmen des ökumenischen Politischen Nachtgebets. Dort wurden Gebet, biblische Sprache, Analyse und Protest verbunden; Themen waren unter anderem Vietnamkrieg, Armut, Rassismus, autoritäre Strukturen und kirchliche Verantwortung.
Sölles Denken fragte nach Gott nach Auschwitz, nach der Verantwortung von Christinnen und Christen und nach einer Mystik, die nicht aus der Welt ausweicht. Bücher wie Stellvertretung, Leiden, Die Hinreise, Gott denken und Mystik und Widerstand machten ihre Theologie international bekannt. Sie schrieb wissenschaftliche Texte, Essays, Gedichte, Gebete und Erinnerungsprosa.
Von 1975 bis 1987 lehrte Sölle regelmäßig am Union Theological Seminary in New York. In Deutschland erhielt sie trotz Habilitation keine ordentliche Professur; 1994 wurde sie Ehrenprofessorin der Universität Hamburg. Sie war mit dem Theologen Fulbert Steffensky verheiratet, mit dem sie auch öffentlich und publizistisch zusammenarbeitete.
Sölle engagierte sich in Friedens-, Frauen-, Umwelt- und Solidaritätsbewegungen. Ihre Texte blieben religiös, politisch und poetisch zugleich, oft gegen einfache Trennungen zwischen Frömmigkeit und gesellschaftlichem Handeln. Dorothee Sölle starb am 27. April 2003 während einer Tagung in Göppingen.