

Deutsche Meinungsforscherin, Gründerin des Allensbach-Instituts
Elisabeth Noelle-Neumann (* 19. Dezember 1916 in Berlin; gestorben am 25. März 2010 in Allensbach) war eine deutsche Publizistikwissenschaftlerin, Meinungsforscherin und Gründerin des Instituts für Demoskopie Allensbach. Sie machte repräsentative Umfragen in der Bundesrepublik zu einem festen Instrument politischer und gesellschaftlicher Beobachtung. International wurde sie durch ihre Theorie der Schweigespirale bekannt.
Noelle studierte in Berlin, Königsberg, München und in den Vereinigten Staaten. 1940 promovierte sie bei Emil Dovifat über amerikanische Massenumfragen. Ihre frühe journalistische Arbeit während der NS-Zeit wurde später kritisch untersucht, unter anderem wegen Veröffentlichungen in nationalsozialistischen Medien und wegen antisemitischer Formulierungen. Noelle-Neumann wies den Vorwurf zurück, Nationalsozialistin gewesen zu sein; die Debatte blieb Teil der Bewertung ihrer Person und ihres Werkes.
Nach dem Krieg gründete sie zusammen mit ihrem Mann Erich Peter Neumann das Institut für Demoskopie Allensbach am Bodensee. Die Arbeit begann 1947, 1948 wurde das Institut als GmbH eingetragen. Allensbach setzte auf repräsentative Befragungen, persönliche Interviews und regelmäßige Zeitreihen. Damit wurde das Institut zu einer prägenden Adresse für Wahl-, Medien-, Markt- und Gesellschaftsforschung in Westdeutschland und später in der Bundesrepublik.
Noelle-Neumann verstand Demoskopie als Methode, um Einstellungen, Erwartungen und politische Stimmungen messbar zu machen. Ihre Umfragen wurden von Parteien, Medien, Unternehmen und staatlichen Stellen gelesen. Gerade deshalb war ihre Arbeit auch umstritten: Kritiker sahen in Allensbach eine Nähe zu konservativen politischen Milieus, während Befürworter die methodische Kontinuität und die lange Datensammlung hervorhoben.
1974 veröffentlichte Noelle-Neumann im Journal of Communication den Aufsatz The Spiral of Silence: A Theory of Public Opinion. Die Theorie beschreibt, wie Menschen ihre Meinung eher zurückhalten, wenn sie glauben, damit gesellschaftlich isoliert zu sein. Medien, Gespräche und wahrgenommene Mehrheiten spielen dabei eine Rolle. Die Schweigespirale wurde in der Kommunikationswissenschaft breit diskutiert, geprüft, kritisiert und weiterentwickelt.
Noelle-Neumann lehrte an der Universität Mainz und war dort ab 1964 außerordentliche Professorin. Sie erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter 1976 das Große Verdienstkreuz und 1990 den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg. 1996 wurde die Stiftung Demoskopie Allensbach gegründet; Noelle-Neumann übertrug ihren Besitz am Institut auf die Stiftung. Damit sollte die Forschungseinrichtung langfristig erhalten bleiben.
Elisabeth Noelle-Neumann starb am 25. März 2010 in Allensbach. Sie wurde 93 Jahre alt. Ihre Laufbahn verbindet die Institutionalisierung der Meinungsforschung in Deutschland, eine international diskutierte Theorie öffentlicher Meinung und eine belastete frühe journalistische Vergangenheit.