

Deutsche Opern- und Liedsängerin, Sopranistin
Zumikon
Elisabeth Schwarzkopf (* 9. Dezember 1915 in Jarotschin, damals Provinz Posen; gestorben am 3. August 2006 in Schruns, Österreich) war eine deutsch-britische Sopranistin und eine der prägenden Sängerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Kunst stand für kontrollierte Schönheit, sprachliche Genauigkeit und eine besondere Nähe zu Mozart, Richard Strauss und dem deutschen Lied. Zugleich blieb ihre frühe NSDAP-Mitgliedschaft ein belastender Teil ihrer Lebensgeschichte.
Schwarzkopf wuchs in einer gebildeten preußischen Familie auf und studierte ab 1934 an der Berliner Hochschule für Musik. 1938 trat sie an der Berliner Oper als Blumenmädchen in Wagners Parsifal auf. Früh wurde sie als bewegliche, technisch sichere Sopranistin wahrgenommen. Maria Ivogün beeinflusste ihre Entwicklung stark, besonders im Liedgesang und in der Arbeit an Klangfarbe, Aussprache und Phrasierung.
1940 trat Schwarzkopf der NSDAP bei. Später stellte sie den Schritt als berufliche Voraussetzung dar; die Mitgliedschaft und ihre widersprüchlichen Angaben dazu blieben jedoch umstritten. Ihr künstlerischer Nachruhm ist deshalb von dieser politischen Vergangenheit nicht zu trennen. Schwarzkopf war keine politische Funktionärin, aber sie arbeitete innerhalb eines Kulturbetriebs, der im Nationalsozialismus kontrolliert und für Prestige genutzt wurde.
Nach 1945 wurde Schwarzkopf Teil der Wiener Staatsoper und gewann rasch internationales Profil. Sie sang in London, Mailand, Salzburg und später in den USA. Besonders eng verbunden blieb sie mit Mozart-Rollen wie Donna Elvira, Fiordiligi und der Gräfin Almaviva sowie mit Strauss-Partien wie der Marschallin im Rosenkavalier und der Gräfin Madeleine in Capriccio. Ihre Interpretationen waren oft bis ins kleinste Detail ausgearbeitet; genau darin lagen Faszination und gelegentliche Kritik.
1953 heiratete Schwarzkopf den Produzenten Walter Legge. Mit ihm entstand ein großer Teil ihres Plattenvermächtnisses für EMI: Mozart-Opern, Strauss-Lieder, Hugo Wolf, Mahler, Brahms, Bach und Operette. Die Langspielplatte machte ihre Kunst weit über einzelne Opernabende hinaus verfügbar. Viele Hörerinnen und Hörer begegneten Schwarzkopf nicht zuerst im Theater, sondern über Aufnahmen, in denen jedes Wort und jede Linie genau modelliert wirkten.
In den 1960er-Jahren konzentrierte sich Schwarzkopf auf wenige Rollen, die zu ihrem künstlerischen Selbstbild passten. 1964 debütierte sie an der Metropolitan Opera als Marschallin. 1971 verabschiedete sie sich von der Opernbühne, 1979 vom Konzertpodium. Danach gab sie Meisterkurse. Auch dort galt sie als kompromisslos genau; manche Schülerinnen und Schüler empfanden diese Strenge als lehrreich, andere als einschüchternd.
Elisabeth Schwarzkopf starb am 3. August 2006 in Schruns. Sie wurde 90 Jahre alt. Ihre Aufnahmen zeigen eine Gesangskunst, die Schönheit nie vom Text trennte und jedes Detail ernst nahm. Der Blick auf ihr Leben bleibt zugleich von der Frage geprägt, wie künstlerische Größe bewertet wird, wenn ein früher Lebensabschnitt politisch belastet ist.
bis 1979