

Österreichische Überlebende der Verfolgung durch die Nationalsozialisten, Stiefschwester von Anne Frank
Eva Schloss, geboren als Eva Geiringer (* 11. Mai 1929 in Wien; gestorben am 3. Januar 2026 in London), war eine österreichisch-britische Zeitzeugin, Autorin und Bildungsarbeiterin. Sie überlebte Auschwitz, wurde nach dem Krieg durch die Ehe ihrer Mutter mit Otto Frank zur Stiefschwester von Anne Frank und sprach später über Jahrzehnte vor jungen Menschen über Verfolgung, Antisemitismus und Verantwortung.
Eva Geiringer wurde in Wien geboren. Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland geriet ihre jüdische Familie in unmittelbare Gefahr. Nach mehreren Stationen kam sie im Februar 1940 mit ihren Eltern Erich und Elfriede, genannt Fritzi, und ihrem Bruder Heinz nach Amsterdam. Am Merwedeplein wohnte die Familie gegenüber der Familie Frank. Eva kannte Anne Frank aus der Nachbarschaft; beide waren fast gleich alt und spielten mit anderen Kindern auf dem Platz.
1942 ging die Familie Geiringer in den Untergrund, nachdem Heinz zur Arbeit nach Deutschland aufgefordert worden war. Zwei Jahre lang lebten sie versteckt. Eine niederländische Krankenschwester, die mit den Nationalsozialisten zusammenarbeitete, verriet die Familie. Am 11. Mai 1944, Evas 15. Geburtstag, folgte die Deportation nach Auschwitz. Eva und ihre Mutter überlebten; ihr Vater Erich und ihr Bruder Heinz wurden ermordet.
Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz von der sowjetischen Armee befreit. Eva und Fritzi kehrten nach einer langen Rückreise in die Niederlande zurück und begegneten dabei auch Otto Frank wieder, der ebenfalls überlebt hatte. Otto Frank wurde für Eva ein enger Freund und später ihr Stiefvater. Mit seiner Leica-Kamera ging sie nach London, um Fotografie zu studieren. Dort lernte sie Zvi Schloss kennen, den sie 1952 heiratete. 1953 heiratete Fritzi Geiringer Otto Frank.
Viele Jahre sprach Schloss kaum öffentlich über Auschwitz. Erst in den 1980er-Jahren begann sie, ihre Geschichte regelmäßig zu erzählen. Ein Anstoß war eine Anne-Frank-Ausstellung in London. Danach trat sie in Schulen, Universitäten, Gefängnissen und bei internationalen Veranstaltungen auf. 1990 gehörte sie zu den Mitgründerinnen des Anne Frank Trust UK. Ihr Erzählen war eng mit Bildung verbunden: Erinnerung an Vergangenes und zugleich Arbeit gegen Antisemitismus, Rassismus und Entmenschlichung in der Gegenwart.
Schloss veröffentlichte Erinnerungsbücher, darunter Eva's Story und später After Auschwitz. 1996 gab sie ein Videozeugnis für die USC Shoah Foundation ab. In Eva's Promise rückte auch ihr Bruder Heinz in den Mittelpunkt. Er hatte während der Verfolgung Bilder und Gedichte versteckt; Eva erfüllte nach dem Krieg das Versprechen, diese Arbeiten zu bergen. Später übergab sie dreißig Gemälde von Heinz dem Verzetsmuseum in Amsterdam.
Eva Schloss starb am 3. Januar 2026 im Alter von 96 Jahren in London. Die Anne Frank Stiftung und der Anne Frank Trust UK erinnerten an ihre jahrzehntelange Arbeit für Bildung und gegen Vorurteile. Ihr Leben bleibt mit Anne Frank verbunden; zugleich bleibt ihre eigene Stimme sichtbar: die einer Frau, die lange schwieg und dann ihre Erfahrung nutzte, um jungen Menschen historisches Wissen und menschliche Verantwortung nahe zu bringen.