
Britischer Maler
Frank Auerbach (* 29. April 1931 in Berlin; gestorben am 11. November 2024 in London) war ein deutsch-britischer Maler. Er gehörte zu den bedeutenden figurativen Künstlern der britischen Nachkriegskunst und wurde mit der sogenannten School of London verbunden. Seine Porträts, Akte und Stadtlandschaften aus London entstanden in einem langsamen, intensiven Prozess aus Zeichnung, Übermalung, Farbe und genauer Beobachtung.
Auerbach wurde in Berlin als Sohn jüdischer Eltern geboren. Am 7. April 1939 verließ er Deutschland als Kind und gelangte nach England, wo ihm ein Platz an der von Quäkern geprägten Bunce Court School in Kent vermittelt wurde. Seine Eltern Max Auerbach und Charlotte Nora Borchardt blieben zurück und wurden später in Auschwitz ermordet. Diese Trennung war ein tiefer Bruch in seinem Leben, doch Auerbach machte aus seinem Werk keine direkte Illustration der Verfolgung. Seine Kunst suchte eher nach einer Gegenwart, die durch Arbeit am Bild überhaupt erst greifbar wurde.
Nach der Schule studierte Auerbach an der Saint Martin's School of Art und am Royal College of Art. Besonders prägend wurden die Abendkurse bei David Bomberg am Borough Polytechnic. Bomberg vermittelte eine Vorstellung von Malerei, die nicht auf glatte Ähnlichkeit zielte, sondern auf Masse, Energie und die körperliche Erfahrung des Sehens. Diese Haltung passte zu Auerbachs eigener Suche: Ein Bild gewann seine Kraft nicht durch bloßes Abbilden, sondern durch wiederholte Arbeit an einer neuen Gegenwart.
1954 übernahm Auerbach ein Atelier in Camden Town, das zuvor sein Freund Leon Kossoff genutzt hatte. Von dort aus malte er über Jahrzehnte dieselben Straßen, Baustellen, Ecken und Menschen. Mornington Crescent, Primrose Hill, Euston und Camden wurden zu wiederkehrenden Motiven. Diese Begrenzung war keine Enge, sondern Methode. Auerbach sah in vertrauten Orten immer neue Spannungen aus Licht, Bewegung, Erinnerung und Material.
Auerbachs Bilder wirken oft schwer und verdichtet. Er trug Farbe auf, schabte sie ab, begann neu, zeichnete wieder und suchte weiter, bis ein Bild eine eigene Notwendigkeit hatte. Seine Porträts entstanden häufig mit denselben Modellen über viele Jahre hinweg, darunter Julia Auerbach, Estella Olive West, Catherine Lampert und William Feaver. Diese Wiederholung war kein Stillstand. Sie machte sichtbar, wie ein Gesicht oder ein Ort sich mit jedem Blick verändert.
Lange blieb Auerbach ein Künstler für ein vergleichsweise aufmerksames Publikum, doch seine Bedeutung wuchs stetig. Kritiker und Museen sahen in ihm eine der stärksten Stimmen der britischen Malerei nach 1945. Er wurde mit Francis Bacon, Lucian Freud, Leon Kossoff und Michael Andrews in Verbindung gebracht, ohne in dieser Gruppe aufzugehen. 1986 vertrat er Großbritannien auf der Biennale von Venedig und erhielt dort gemeinsam mit Sigmar Polke den Goldenen Löwen für Malerei.
Frank Auerbach starb am 11. November 2024 in London. Er wurde 93 Jahre alt. Sein Werk bleibt mit einer fast kompromisslosen Treue zum Sehen verbunden: dieselben Straßen, dieselben Gesichter, derselbe Raum, immer wieder neu befragt. Gerade daraus entstand eine Malerei, die nicht abgeschlossen wirkt, sondern voller Bewegung, Gewicht und Gegenwart bleibt.
bis 1952
bis 1955
bis 2024