

Deutscher Fußballspieler, -trainer und -funktionär
Bundesrepublik Deutschland bis 1990
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Friedhof am Perlacher Forst
Franz Beckenbauer (* 11. September 1945 in München; gestorben am 7. Januar 2024 in Salzburg) war Fußballspieler, Teamchef, Trainer und Funktionär. Er gehört zu den größten Persönlichkeiten des deutschen und internationalen Fußballs. Als Spieler führte er die deutsche Nationalmannschaft 1974 zum Weltmeistertitel, als Teamchef gewann er 1990 erneut die Weltmeisterschaft. Beim FC Bayern München prägte er den Aufstieg des Vereins zur europäischen Spitzenmannschaft und später auch dessen Führung. Sein Spitzname der Kaiser steht bis heute für Eleganz, Autorität und eine Art Fußball, die Verteidigung und Spielaufbau miteinander verband.
Beckenbauer wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in München geboren und wuchs in Giesing auf. Der Fußballplatz lag nahe, das Geld war knapp, der Sport wurde früh zu einem Ort von Freiheit und Talent. Als Jugendlicher wechselte er zum FC Bayern, obwohl sein Umfeld auch den Stadtrivalen TSV 1860 im Blick hatte. Diese Entscheidung wurde zu einem Wendepunkt für ihn und für den Verein. Aus dem Jungen aus Giesing wurde der Spieler, um den Bayern München in den 1960er- und 1970er-Jahren eine neue Größe entwickelte.
1964 unterschrieb Beckenbauer beim FC Bayern einen Vertrag, 1965 stieg die Mannschaft in die Bundesliga auf. Am 14. August 1965 stand er beim ersten Bundesliga-Spiel der Bayern im Derby gegen den TSV 1860 auf dem Platz. In dieser Zeit bildeten Beckenbauer, Sepp Maier und Gerd Müller den Kern einer Mannschaft, die den deutschen Fußball veränderte. Bayern wurde aus einem aufstrebenden Klub eine Macht, die nationale Titel und europäische Erfolge gewann.
Beckenbauers besondere Bedeutung liegt nicht nur in seinen Titeln. Er veränderte die Rolle des Liberos. Aus einer absichernden Position hinter der Abwehr machte er eine spielgestaltende Position. Er eroberte nicht nur Bälle, sondern eröffnete Angriffe, trug den Ball nach vorn, spielte präzise Pässe und gab dem Spiel Ruhe. Dadurch wirkte er oft, als hätte er mehr Zeit als alle anderen. Diese Mischung aus Übersicht, Technik und natürlicher Autorität machte ihn weltweit erkennbar.
Am 26. September 1965 debütierte Beckenbauer in der deutschen A-Nationalmannschaft beim WM-Qualifikationsspiel in Schweden. Schon bei der Weltmeisterschaft 1966 wurde er international bekannt. 1970 gehörte er erneut zu den prägenden Figuren des deutschen Teams. Der große Durchbruch als Anführer kam in den frühen 1970er-Jahren: Deutschland gewann 1972 die Europameisterschaft, und Beckenbauer erhielt im selben Jahr den Ballon d'Or. Er war nun nicht nur ein außergewöhnlicher Spieler, sondern das Gesicht einer Mannschaft, die modern, beweglich und selbstbewusst auftrat.
Die Heim-WM 1974 wurde zum zentralen Moment seiner Spielerkarriere. Nach schwierigen Turnierphasen führte Beckenbauer die Mannschaft als Kapitän ins Finale von München. Am 7. Juli 1974 gewann Deutschland gegen die Niederlande mit 2:1. Beckenbauer hob den WM-Pokal als Kapitän in die Höhe. Der Erfolg verband seine sportliche Klasse mit Führungsstärke: Er war nicht nur Teil des Teams, sondern eine ordnende Figur in Momenten, in denen die Mannschaft Richtung brauchte.
Mit dem FC Bayern gewann Beckenbauer in den 1970er-Jahren drei Europapokale der Landesmeister in Folge. Dazu kamen Meisterschaften, Pokalsiege und der Weltpokal. 1977 wechselte er zu Cosmos New York, wo er an der Seite von Pelé spielte und den Fußball in den Vereinigten Staaten populärer machte. Später kehrte er nach Deutschland zurück und gewann mit dem Hamburger SV noch einmal die Meisterschaft. Seine aktive Karriere endete 1983, aber sein Einfluss auf den Fußball blieb bestehen.
1984 übernahm Beckenbauer die deutsche Nationalmannschaft als Teamchef. Ohne klassische Trainerlaufbahn führte er das Team 1986 ins WM-Finale und vier Jahre später zum Titel. Am 8. Juli 1990 gewann Deutschland in Rom gegen Argentinien. Beckenbauer wurde damit zu einem der seltenen Fußballer, die die Weltmeisterschaft sowohl als Spieler als auch als Verantwortlicher an der Seitenlinie gewannen. Der Erfolg bestätigte seine Fähigkeit, Mannschaften nicht nur zu prägen, sondern auch zu führen.
Nach der Zeit als Teamchef blieb Beckenbauer im Fußball einflussreich. Beim FC Bayern wurde er Vizepräsident, Präsident, Aufsichtsratsvorsitzender und später Ehrenpräsident. Er half, den Verein organisatorisch und wirtschaftlich in eine neue Ära zu führen. Als Gesicht der deutschen Bewerbung spielte er außerdem eine zentrale Rolle dabei, die Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu holen. Später wurden Zahlungen und Vorgänge rund um die WM-Vergabe untersucht. Beckenbauer bestritt Bestechung; Verfahren endeten ohne gerichtliches Urteil oder konnten wegen Verjährung nicht weiterverfolgt werden. Diese Vorgänge bleiben Teil des vollständigen Bildes seiner Funktionärsjahre.
In seinen letzten Jahren trat Beckenbauer aus gesundheitlichen Gründen öffentlich seltener auf. Am 7. Januar 2024 starb er im Alter von 78 Jahren. Die Nachricht von seinem Tod löste in Deutschland und international große Anteilnahme aus. Weggefährten, Vereine, Verbände und Fans erinnerten an einen Menschen, der den Fußball auf mehreren Ebenen geprägt hatte: als Spieler, Kapitän, Teamchef, Präsident und Symbolfigur.
Franz Beckenbauers Vermächtnis liegt in einer seltenen Verbindung aus Stil und Wirkung. Er machte aus Verteidigung Gestaltung, aus Übersicht Führung und aus einem Verein aus München eine Bühne europäischer Größe. Seine Erfolge sind außergewöhnlich, aber entscheidend ist die Art, wie er Fußball dachte und spielte: ruhig, leicht, mit Blick für den nächsten Raum. Deshalb bleibt Beckenbauer nicht nur als Titelträger in Erinnerung, sondern als jemand, der dem Spiel eine neue Form gab.