

Deutscher Maler und Bildhauer
Georg Baselitz (* 23. Januar 1938 in Deutschbaselitz als Hans-Georg Kern; gestorben am 30. April 2026) war ein deutsch-österreichischer Maler, Grafiker und Bildhauer. Er wurde international bekannt durch expressiv gemalte Figuren, durch grob bearbeitete Skulpturen und vor allem durch Bilder, deren Motive er seit 1969 auf den Kopf stellte. Diese Umkehrung war kein bloßer Effekt, sondern ein Mittel, Figuration und Abstraktion gegeneinander in Spannung zu setzen.

Baselitz wuchs in Sachsen auf, in einer Landschaft, die vom Nationalsozialismus, Krieg und Nachkrieg gezeichnet war. 1956 begann er ein Kunststudium in Ost-Berlin, wurde aber nach kurzer Zeit ausgeschlossen. 1957 ging er nach West-Berlin und setzte seine Ausbildung an der Hochschule für Bildende Künste fort. Den Künstlernamen Baselitz wählte er nach seinem Geburtsort Deutschbaselitz. Von Anfang an suchte er keine glatte Nachkriegsmoderne, sondern eine Malerei, die Brüche, Gewalt, Körperlichkeit und deutsche Geschichte sichtbar machte.
Seine erste Einzelausstellung in Berlin 1963 wurde zum Skandal, weil die Polizei zwei Werke wegen angeblicher Obszönität beschlagnahmte. In den folgenden Jahren entstanden die sogenannten Helden- und Neuen-Typen-Bilder: verletzte, taumelnde Figuren, die nicht triumphieren, sondern beschädigt wirken. Baselitz setzte damit eine andere Bildsprache gegen die Idee einer unbelasteten Nachkriegskunst. Seine Figuren wirkten grob, groß, fragmentiert und bewusst unversöhnt.
1969 begann Baselitz, Motive verkehrt herum zu malen und zu zeigen. Entscheidend war, dass er die Bilder nicht nachträglich drehte, sondern sie von Anfang an in umgekehrter Ausrichtung anlegte. Das Motiv blieb erkennbar, verlor aber seine erzählerische Selbstverständlichkeit. Betrachtende sehen zugleich Bildgegenstand, Malfläche, Farbe, Geste und Störung. Diese Methode wurde zu seinem bekanntesten Zeichen, aber sie war mehr als ein Markenzeichen: Sie zwang dazu, das Verhältnis zwischen Bild und Bedeutung neu zu betrachten.
Baselitz arbeitete auch als Grafiker und Bildhauer. 1980 zeigte er im deutschen Pavillon der Biennale von Venedig eine grob gehauene Holzskulptur und übertrug die Unruhe seiner Malerei in den Raum. Er war mehrfach auf der documenta vertreten; zugleich blieben seine Auftritte und Entscheidungen kontrovers. Seine Kunst kreiste immer wieder um Erinnerung, Gewalt, nationale Symbole und die Frage, wie deutsche Kunst nach 1945 überhaupt auftreten konnte. Später kamen internationale Retrospektiven, hohe Marktpreise und Auszeichnungen wie der Praemium Imperiale hinzu.

Auch im hohen Alter arbeitete Baselitz weiter und stellte international aus. Seine Bedeutung für die Nachkriegskunst ist groß, doch sein öffentliches Auftreten blieb widersprüchlich. Früh provozierte seine Kunst Institutionen und Publikum; später sorgten auch Äußerungen in Interviews, besonders über Künstlerinnen, für Kritik. Sein Werk steht deshalb nicht nur für formale Erneuerung, sondern auch für die schwierige Rolle eines Künstlers, der Widerspruch suchte und selbst Widerspruch auslöste.

Georg Baselitz starb am 30. April 2026 im Alter von 88 Jahren. Seine Bilder und Skulpturen halten die Spannung zwischen Figur und Störung, Erinnerung und Material, Darstellung und Angriff auf die Darstellung offen. Die auf den Kopf gestellten Motive wurden zu seinem bekanntesten Zeichen, aber ihre Wirkung lag darin, vertraute Bilder unsicher zu machen.