

Deutscher Architekt und Bildhauer
Südfriedhof
Gottfried Böhm (* 23. Januar 1920 in Offenbach am Main; gestorben am 9. Juni 2021 in Köln) war ein deutscher Architekt, Bildhauer und Hochschullehrer. Er entwarf Kirchen, Rathäuser, Kultur- und Stadtbauten, die Beton, Glas, Stahl und Licht zu starken räumlichen Formen verbanden. 1986 erhielt er als erster deutscher Architekt den Pritzker Architecture Prize.
Böhm wurde als Sohn des Kirchenarchitekten Dominikus Böhm geboren. Nach Kriegsdienst und Studium an der Technischen Hochschule München arbeitete er zunächst im Büro seines Vaters. Zugleich hatte er Bildhauerei studiert, und diese plastische Ausbildung blieb in seinem Werk spürbar. Er dachte Gebäude nicht nur als Grundriss und Fassade, sondern als Körper, Raumfolge und Materialerfahrung. 1948 heiratete er die Architektin Elisabeth Haggenmüller, die später an vielen Projekten mitwirkte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Köln für Böhm zum zentralen Arbeitsort. Die zerstörte Stadt, ihre Ruinen und ihr Bedarf an neuen kirchlichen, kommunalen und kulturellen Räumen prägten seine frühen Aufgaben. Zu seinen ersten eigenständigen Arbeiten gehörte die Kapelle Madonna in den Trümmern, die aus der zerstörten Kirche St. Kolumba heraus entstand. Dieses Nebeneinander von Verwundung, Erinnerung und Neubau blieb für viele seiner späteren Arbeiten wichtig.
Böhm wurde vor allem durch skulpturale Betonbauten bekannt. Seine Wallfahrtskirche Maria, Königin des Friedens in Neviges wirkt wie ein gefalteter Fels, zugleich Schutzraum, Stadtkrone und religiöser Versammlungsort. Auch das Rathaus Bensberg verbindet historische Substanz, Burganlage und moderne Formen zu einer dichten Komposition. Böhm verwendete Beton nicht als kaltes Standardmaterial, sondern als formbare Masse, die Licht, Schatten und Bewegung aufnehmen kann.
Viele seiner Bauten stehen an Orten, an denen Architektur öffentlich wirkt: Kirchen, Rathäuser, Theater, Plätze und Bildungsbauten. Dabei ging es ihm nicht nur um auffällige Silhouetten. Seine Gebäude vermittelten zwischen Alt und Neu, Einzelbau und Stadtraum, Material und Nutzung. Später entstanden auch Projekte mit Glas und Stahl, etwa das Hans Otto Theater in Potsdam. An der Kölner Zentralmoschee war das Büro Böhm ebenfalls beteiligt, vor allem durch seinen Sohn Paul Böhm.
Böhm lehrte an der RWTH Aachen und prägte mehrere Generationen von Architektinnen und Architekten. Auch seine Söhne Stephan, Peter und Paul wurden Architekten; die Familie Böhm wurde dadurch selbst zu einem Stück deutscher Architekturgeschichte. Der Pritzker-Preis von 1986 würdigte nicht nur einzelne Gebäude, sondern die besondere Fähigkeit, Tradition, Moderne, Skulptur und städtische Einbindung miteinander zu verbinden.
Gottfried Böhm starb am 9. Juni 2021 in Köln. Er wurde 101 Jahre alt. Sein Werk bleibt in vielen Städten sichtbar, besonders im Rheinland: als Architektur, die nicht glatt sein will, sondern schwer, offen, lichtdurchlässig und voller räumlicher Spannung. Seine besten Bauten zeigen Beton als Material, das erinnern, sammeln und eine Stadt mitprägen kann.