
Gedenkseite von Gunter Hampel
Deutscher Jazzmusiker
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Emoria entzündet eine Gedenkkerze zur Erinnerung an Gunter Hampel.
Emoria
21. Mai 2026
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Gunter Hampel 1984 in der Fabrik in Hamburg

Gunter Hampel, Offside Festival Geldern/Germany 2008

Gunter Hampel with his daughter Cavana Lee at moers festival 2012
Biografie
Gunter Hampel (* 31. August 1937 in Göttingen; gestorben am 18. Mai 2026) war ein deutscher Jazzmusiker, Komponist, Bandleader und Produzent. Er spielte Vibraphon, Bassklarinette, Flöte, Saxophon, Klavier und weitere Instrumente. Seit den 1960er-Jahren gehörte er zu den prägenden Stimmen des europäischen Free Jazz und entwickelte eine Musik, die europäische Traditionen, afroamerikanischen Jazz, Improvisation, Poesie und Bewegung miteinander verband.

Göttingen und die ersten Gruppen
Hampel wuchs in Göttingen auf und begegnete dem Jazz früh über die Musik der amerikanischen Nachkriegszeit. Er studierte zunächst Architektur, wandte sich aber immer stärker der Musik zu. Ab 1958 leitete er eigene Gruppen und spielte in der Bundesrepublik, in Frankreich und in der Schweiz. Das Vibraphon wurde zu einem seiner auffälligsten Instrumente, doch Hampels Profil entstand gerade aus dem Wechsel zwischen Klangfarben: Mallets, Holzbläser, Stimme, Rhythmus und Bewegung sollten nicht getrennte Rollen bleiben.
Heartplants und europäischer Free Jazz
Mitte der 1960er-Jahre arbeitete Hampel mit Musikern wie Manfred Schoof, Alexander von Schlippenbach, Buschi Niebergall und Pierre Courbois. Aus dieser Phase entstand Heartplants, eine Aufnahme, die für die Entwicklung eines eigenständigen europäischen Jazz wichtig wurde. Hampel suchte nicht einfach eine Kopie amerikanischer Vorbilder. Er nahm ihre Freiheit ernst, verband sie aber mit eigenen melodischen, rhythmischen und kompositorischen Ideen.

New York, Birth Records und Galaxie Dream Band
1969 ging Hampel nach New York und gründete sein eigenes Label Birth Records. Am 8. Juli 1969 nahm er mit Jeanne Lee, Anthony Braxton, Willem Breuker, Steve McCall und Arjen Gorter Musik auf, die später als The 8th of July 1969 erschien. In den frühen 1970er-Jahren entstand die Galaxie Dream Band. Sie wurde zu einem offenen Ensemble, in dem europäische und amerikanische Musiker, improvisierte Formen, Songs, Tanz, Sprache und lange Bögen zusammenkamen.
Unabhängigkeit und Zusammenarbeit
Hampel arbeitete mit Jeanne Lee, Marion Brown, Anthony Braxton, Willem Breuker, Perry Robinson, Don Cherry, Archie Shepp und vielen anderen. Seine Musik blieb dabei oft unabhängig von den großen Strukturen des Marktes. Birth Records war nicht nur ein Labelname, sondern Teil seiner Arbeitsweise: selbst aufnehmen, selbst produzieren, eigene Wege für Veröffentlichungen finden. Daraus entstand eine weit verzweigte Diskografie mit Projekten, die sich nicht auf ein festes Format reduzieren lassen.
Workshops, Hip-Hop und späte Ensembles
Neben Konzerten und Aufnahmen engagierte sich Hampel in Workshops für Kinder und Jugendliche. Ihm ging es dabei weniger um Notenlehre als um gemeinsames Hören, Reagieren und Improvisieren. In den 1990er-Jahren öffnete er sich auch Hip-Hop und jüngeren Szenen, arbeitete mit der Jazzkantine und gründete Next Generation. 2001 rief er die Music + Dance Improvisation Company ins Leben. Auch seine Kinder Ruomi Lee-Hampel und Cavana Lee-Hampel traten zeitweise in seinen Projekten auf.

Anerkennung
Für sein Werk erhielt Hampel unter anderem 1997 den Niedersächsischen Staatspreis. Am 28. Oktober 2007 verlieh ihm Göttingen die Ehrenmedaille der Stadt, wenige Tage später wurde er beim JazzFest Berlin mit dem Albert-Mangelsdorff-Preis ausgezeichnet. 2009 folgte das Bundesverdienstkreuz, 2010 der Praetorius Musikpreis in der Kategorie Musikinnovation. Diese Ehrungen würdigten nicht nur einzelne Aufnahmen, sondern ein Leben, in dem Musik als offener Austausch zwischen Menschen, Generationen und Kontinenten verstanden wurde.
Abschied
Gunter Hampel starb am 18. Mai 2026 im Alter von 88 Jahren. In seinem Werk stehen Aufbruch, Eigenständigkeit und Zusammenarbeit dicht nebeneinander. Er war Vibraphonist und Holzbläser, Komponist und Improvisator, Labelgründer und Lehrer. Vor allem aber blieb er ein Musiker, der Freiheit nicht als Pose behandelte, sondern als tägliche Praxis im Zusammenspiel.
Lebensstationen
6 EreignisseGeboren in Göttingen
1937Gunter Hampel wird in Göttingen geboren.
The 8th of July 1969
1969Die Aufnahme mit Jeanne Lee, Anthony Braxton, Willem Breuker, Steve McCall und Arjen Gorter wird zu einem zentralen Dokument seines eigenen Labels Birth Records.
Ehrenmedaille der Stadt Göttingen
2007Göttingen verleiht Hampel die Ehrenmedaille seiner Geburtsstadt.
Albert-Mangelsdorff-Preis
2007Beim JazzFest Berlin wird Hampel mit dem Deutschen Jazzpreis, dem Albert-Mangelsdorff-Preis, für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Bundesverdienstkreuz
2009Hampel erhält das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Gestorben mit 88 Jahren
2026Gunter Hampel stirbt im Alter von 88 Jahren.
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Gunter Hampel. Für immer unvergessen.
