

Deutscher Chorleiter und Kirchenmusikdirektor
Günter Jena (* 2. Januar 1933 in Leipzig; gestorben am 7. Mai 2026) war ein deutscher Chorleiter, Organist, Musikwissenschaftler und Kirchenmusikdirektor. Er prägte zunächst die Bachpflege an St. Johannis in Würzburg und danach über mehr als zwei Jahrzehnte die Kirchenmusik an der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis. Sein Name ist besonders mit Johann Sebastian Bach, den Würzburger Bachtagen, den Bach-Tagen am Michel und der Zusammenarbeit mit John Neumeier verbunden.

Jena wurde in Leipzig geboren und besuchte dort die Thomasschule, deren Geschichte eng mit Bach verbunden ist. Danach studierte er Musikwissenschaft sowie Psychologie und Philosophie in Berlin. An der Musikhochschule München studierte er Dirigieren und Orgel und wurde Assistent von Karl Richter. Damit stand seine musikalische Ausbildung früh in einer Linie, die historisches Wissen, praktische Kirchenmusik und die großen geistlichen Werke Bachs zusammenführte.
1961 ging Jena als Kantor und Kirchenmusikdirektor an die evangelische St.-Johannis-Kirche in Würzburg. Dort baute er Chor- und Konzertarbeit auf und machte die Kirche zu einem wichtigen Ort für Bach-Aufführungen. 1966 initiierte er eine Johann-Sebastian-Bach-Gesellschaft; 1969 entstanden daraus die Würzburger Bachtage. Was in einer Nachkriegsstadt mit begrenzten Mitteln begann, wurde zu einer dauerhaften Reihe für Oratorien, Kantaten, Orgelmusik und geistliche Konzertpraxis.
1974 wechselte Jena an die Hauptkirche St. Michaelis in Hamburg. Dort setzte er die Tradition großer Passions- und Oratorienaufführungen fort und legte einen besonderen Schwerpunkt auf Bach. Die Hauptkirche selbst nennt seine Konzerte weit über Hamburg hinaus beachtet, vor allem die Matthäus-Passion mit dem von John Neumeier einstudierten Ballett der Hamburgischen Staatsoper und die Reihe Musik und Dichtung mit Heinz Rühmann. Jena machte den Michel zu einem Ort, an dem Liturgie, Konzert und künstlerische Grenzgänge eng zusammenkamen.
Die Zusammenarbeit mit John Neumeier wurde zu einem besonderen Kapitel. Als Kirchenmusikdirektor am Michel lud Jena den Choreografen ein, eine Ballett-Aufführung mit Orgelmusik zu entwickeln; daraus entstanden Arbeiten rund um Bachs Matthäus-Passion. Jena leitete musikalisch eine Form, in der geistliche Musik, Bewegung und Raum aufeinander reagierten. Dass die Produktion über Jahrzehnte wiederaufgenommen wurde, zeigt, wie tragfähig dieser Impuls war.
Neben seiner Arbeit als Dirigent, Organist und Chorleiter schrieb Jena über Bachs Werke. Seine Bücher und Vorträge zu Matthäus-Passion, Weihnachtsoratorium und Kunst der Fuge richteten sich nicht nur an Fachleute, sondern an Hörerinnen und Hörer, die den theologischen und musikalischen Gehalt dieser Werke verstehen wollten. 1987 erhielt er die Johannes-Brahms-Medaille der Stadt Hamburg. 1997 endete seine aktive Zeit am Michel; seine Bach-Arbeit blieb dort weiter spürbar.
Günter Jena starb am 7. Mai 2026 im Alter von 93 Jahren. St. Michaelis kündigte für den 13. Juni 2026 ein Orgelkonzert im Gedenken an ihn an: Michelkantor Jörg Endebrock spielte Bachs Clavier-Übung Teil III. Dieser Abschied passte zu Jenas Lebensweg, weil er nicht bei einer biografischen Würdigung stehen blieb, sondern in Musik übersetzt wurde.