
Chinesische Ärztin und englischsprachige Autorin
Friedhof Bois-de-Vaux
Han Suyin (* 12. September 1917 in Xinyang; gestorben am 2. November 2012 in Lausanne) war eine in China geborene Ärztin und Schriftstellerin. Sie schrieb auf Englisch und Französisch über China, Hongkong, Südostasien, koloniale Machtverhältnisse und ihre eigene Herkunft zwischen chinesischer und europäischer Familiengeschichte.
Han Suyin wurde als Tochter eines chinesischen Eisenbahningenieurs und einer belgischen Mutter geboren. Sie wuchs in China auf, studierte zunächst in Peking und setzte ihr Medizinstudium in Europa fort. Während des Kriegs kehrte sie nach China zurück, lebte später in London und schloss dort ihre medizinische Ausbildung ab. Medizin blieb ein Teil ihres Lebens: In Hongkong und Malaya arbeitete sie als Ärztin und in klinischen Zusammenhängen für Geburtshilfe, Kinderheilkunde und Tuberkuloseversorgung.
Ihr erster Roman Destination Chungking erschien 1942 unter dem Namen Han Suyin. Der Stoff lag nah an ihrer eigenen Kriegs- und Ehegeschichte. Nach dem Tod ihres ersten Mannes Tang Pao-huang zog sie mit ihrer Tochter nach Hongkong. Dort arbeitete sie in einer Klinik und begann jene Verbindung von persönlicher Erfahrung, politischer Beobachtung und literarischer Form zu entwickeln, die viele ihrer späteren Bücher prägte.
1952 erschien A Many-Splendoured Thing. Der Roman beruhte auf ihrer Beziehung zu dem Korrespondenten Ian Morrison und wurde 1955 als Love Is a Many-Splendored Thing verfilmt. Buch und Film trugen Han Suyins Namen weit über Hongkong hinaus, doch der Roman war mehr als eine Liebesgeschichte. Er zeigte Hongkong als kolonialen Ort, China als politisches Gegenüber und eine Erzählerin, die ihre gemischte Herkunft nicht als einfache Identität erzählen konnte.
Han Suyin schrieb Romane, Essays, autobiografische Bände und politische Bücher. Sie begegnete Mao Zedong und Zhou Enlai, besuchte China regelmäßig und verteidigte lange Positionen der chinesischen Revolution. Spätere Nachrufe beschrieben zugleich, wie kritisch ihr Blick auf Mao und die Kulturrevolution aufgenommen wurde. Diese Spannung gehört zu ihrem Werk: Sie wollte China gegen westliche Vereinfachungen erklären und blieb selbst Teil der Konflikte, über die sie schrieb.
In späteren Jahren lebte Han Suyin in Lausanne. Sie veröffentlichte weiter, förderte Übersetzungsarbeit und blieb mit China, Indien und der Schweiz verbunden. Han Suyin wurde 95 Jahre alt. Ihr Werk verbindet Medizin, politische Geschichte und persönliche Erinnerung; viele ihrer Bücher werden bis heute als Zeugnisse eines Jahrhunderts zwischen Asien und Europa gelesen.
bis 1958
A Many-Splendoured Thing