

Österreichischer Tauchpionier und Meeresforscher
Hietzinger Friedhof
Hans Hass (* 23. Januar 1919 in Wien; gestorben am 16. Juni 2013 in Wien) war ein österreichischer Zoologe, Meeresforscher, Forschungstaucher, Autor und Unterwasserfilmer. Er brachte Korallenriffe, Haie, Rochen, Tintenfische und andere Meereslebewesen einem breiten Publikum nahe und entwickelte dafür auch eigene Geräte, Kameragehäuse und Arbeitsweisen unter Wasser.
Hass begann zunächst ein Jurastudium. Eine Begegnung mit dem amerikanischen Taucher und Autor Guy Gilpatric im Jahr 1938 veränderte seinen Weg. Hass wandte sich der Zoologie zu, reiste in die Karibik und beschäftigte sich mit Unterwasserjagd, Fotografie und biologischer Beobachtung. 1943 promovierte er an der Universität Berlin mit einer Arbeit, die den Einsatz autonomen Tauchgeräts in der Forschung nutzte. Damit verband sich bei ihm früh wissenschaftliche Frage, technische Lösung und filmische Dokumentation.
Schon in den 1940er-Jahren drehte Hass Unterwasserfilme, darunter Menschen unter Haien. Nach dem Krieg erreichten seine Filme und Bücher ein Publikum, das die Meereswelt bisher kaum aus eigener Anschauung kannte. In Abenteuer im Roten Meer und späteren Produktionen zeigte er Tiere und Landschaften unter Wasser als Lebensräume mit eigenen Formen, Farben und Verhaltensweisen. Bei Haien betonte er ihre Rolle im Ökosystem und widersprach reinen Angstbildern.
Ab den frühen 1950er-Jahren arbeitete Hass eng mit Lotte Hass zusammen, die selbst tauchte, filmte und in vielen Produktionen mitwirkte. Das Forschungsschiff Xarifa wurde zum Mittelpunkt mehrerer Expeditionen in den Pazifik, den Indischen Ozean, das Rote Meer und die Karibik. Auf diesen Reisen entstanden Filme, Bücher und wissenschaftliche Beobachtungen. Die BBC-Serie Diving to Adventure brachte Hans und Lotte Hass 1956 auch zum britischen Fernsehpublikum.
Hass arbeitete an Ausrüstung, die Beweglichkeit und Kameraarbeit unter Wasser erleichterte: Flossen, Atemgeräte, Kameragehäuse und Verfahren für längere Beobachtungen. Seine Filme verbanden Naturdokumentation mit Expeditionserzählung, seine Bücher übersetzten diese Erfahrungen in Sprache und Bilder. ORF und andere Quellen nennen zahlreiche Bücher, Fernsehfilme und Kinofilme, die aus seinen Expeditionen hervorgingen.
In der zweiten Hälfte seines Lebens beschäftigte sich Hass mit Evolution, menschlichem Verhalten und seiner Energontheorie. Zugleich sprach er immer wieder über den Schutz der Meere und über globale Umweltfragen. 1998 erhielt er das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst; 2009 wurde er mit dem Elisabeth-Mann-Borgese-Meerespreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Sein Nachlass kam an das Naturhistorische Museum Wien.
Hans Hass starb am 16. Juni 2013 in Wien. Er wurde 94 Jahre alt. Sein Werk bleibt mit einer frühen Form des Forschungstauchens verbunden: neugierig, technisch präzise, filmisch klar und getragen von dem Ziel, die Welt unter der Wasseroberfläche verständlich zu machen.