

Deutscher Politiker (SED), MdV, Minister für Nationale Verteidigung
Friedhof Baumschulenweg
Heinz Keßler (* 26. Januar 1920 in Lauban, Niederschlesien; gestorben am 2. Mai 2017 in Berlin) war ein deutscher kommunistischer Politiker und Militärfunktionär der DDR. Von 1985 bis 1989 war er Minister für Nationale Verteidigung und gehörte zum Machtapparat der SED. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde er wegen seiner Mitverantwortung für tödliche Schüsse an der DDR-Grenze verurteilt.
Keßler kam aus einem kommunistischen Elternhaus. Als junger Mann wurde er in die Wehrmacht eingezogen und geriet nach seiner Desertion an der Ostfront in sowjetische Gefangenschaft. Dort schloss er sich dem Nationalkomitee Freies Deutschland an. Diese Erfahrung prägte seinen weiteren Weg: Antifaschismus, Loyalität zur Sowjetunion und kommunistische Parteidisziplin wurden zu zentralen Bezugspunkten seines politischen Lebens.
Nach dem Krieg beteiligte sich Keßler am Aufbau bewaffneter Strukturen in der sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR. Er stieg in der Kasernierten Volkspolizei und in der Nationalen Volksarmee auf, wurde stellvertretender Verteidigungsminister und leitete politische und militärische Bereiche. Am 3. Dezember 1985 übernahm er nach dem Tod von Heinz Hoffmann das Verteidigungsministerium der DDR.
Als Verteidigungsminister trug Keßler politische und militärische Verantwortung für eine Armee, deren Grenztruppen die Abriegelung der DDR gegenüber West-Berlin und der Bundesrepublik absicherten. Menschen starben bei Fluchtversuchen an Mauer und innerdeutscher Grenze. Keßler verteidigte das Grenzsystem auch nach 1989 und bestritt die rechtliche und moralische Schuld, die Gerichte und viele Angehörige von Opfern anders bewerteten.
Am 16. September 1993 verurteilte das Landgericht Berlin Keßler wegen Anstiftung zum Totschlag zu siebeneinhalb Jahren Freiheitsstrafe. Im selben Verfahren wurden auch Fritz Streletz und Hans Albrecht verurteilt. Die Urteile gehörten zu den zentralen Verfahren über Verantwortung für Todesfälle an der DDR-Grenze. Keßler verbüßte einen Teil der Strafe und wurde später aus gesundheitlichen Gründen entlassen.
Heinz Keßler starb am 2. Mai 2017 in Berlin. Er wurde 97 Jahre alt. Sein Lebensweg verbindet DDR-Militär, SED-Herrschaft und die juristische Aufarbeitung staatlicher Gewalt nach 1990.
bis 1956