

Deutscher Kirchenmusiker, Dirigent und Musikpädagoge
Helmuth Rilling (* 29. Mai 1933 in Stuttgart; gestorben am 11. Februar 2026 in Warmbronn bei Leonberg) war ein deutscher Dirigent, Organist und Hochschullehrer. Sein Name ist eng mit Johann Sebastian Bach, der Gächinger Kantorei, dem Bach-Collegium Stuttgart und der Internationalen Bachakademie Stuttgart verbunden.
Rilling wuchs in Württemberg auf und erhielt seine musikalische Prägung in der evangelischen Kirchenmusik. Er studierte in Stuttgart Orgel, Komposition und Chorleitung und bildete sich später in Italien weiter. Bereits 1954 gründete er als Student die Gächinger Kantorei. Aus diesem Chor entwickelte sich über Jahrzehnte ein Ensemble, mit dem Rilling seine Vorstellungen von Textverständlichkeit, Chorklang und geistlicher Musik verwirklichte.
1965 gründete Rilling das Bach-Collegium Stuttgart. Chor und Orchester wurden zum Zentrum einer Arbeit, die sich besonders auf Bach richtete. Zwischen 1970 und 1985 nahm Rilling als erster Dirigent sämtliche geistlichen Kantaten Bachs auf. Später folgte die umfangreiche Edition Bachakademie. Seine Deutung suchte klare Artikulation, verständlichen Text und eine theologisch-musikalische Lesart.
Rilling dachte Bach nicht als Museumsbestand. 1970 gehörte er zu den Gründern des Oregon Bach Festival, das er über Jahrzehnte prägte. 1981 entstand die Internationale Bachakademie Stuttgart. Dort verband er Aufführung, Forschung, Lehre und Begegnung. Sängerinnen, Sänger, Dirigentinnen und Dirigenten aus vielen Ländern arbeiteten mit ihm an Kantaten, Passionen, Oratorien und an der Frage, wie geistliche Musik in der Gegenwart sprechen kann.
Rilling blieb nicht bei Bach stehen. Zum Bachjahr 2000 gab er neue Passionsvertonungen in Auftrag, unter anderem von Wolfgang Rihm, Sofia Gubaidulina, Osvaldo Golijov und Tan Dun. Auch Krzysztof Pendereckis Credo war mit seiner Arbeit verbunden; die Aufnahme gewann einen Grammy. Rilling war zugleich Lehrer und Vermittler, der Probenarbeit als gemeinsames Verstehen verstand.
Helmuth Rilling starb am 11. Februar 2026 in Warmbronn. Er wurde 92 Jahre alt. Sein Werk bleibt in Chören, Aufnahmen, Festivals und Institutionen hörbar. Es zeigt einen Musiker, der Bach nicht als Denkmal behandelte, sondern als lebendige Aufgabe für Stimme, Sprache, Glauben und Gegenwart.