

Österreichischer Künstler
Hermann Nitsch (* 29. August 1938 in Wien; gestorben am 18. April 2022 in Mistelbach) war ein österreichischer Künstler, Maler, Aktionskünstler, Komponist und Autor. Er gehörte zum Umfeld des Wiener Aktionismus und entwickelte mit dem Orgien-Mysterien-Theater ein Werk, das Malerei, Musik, Sprache, Theater, Ritual und körperliche Erfahrung miteinander verband.
Nitsch wuchs in Wien auf und besuchte die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt. Schon früh interessierte er sich für religiöse Bildwelten, Liturgie, Farbe, Geräusch und die Wirkung von Räumen. Ende der 1950er-Jahre begann er, sein Orgien-Mysterien-Theater zu entwerfen. In den 1960er-Jahren wurde er mit Aktionen in Wien Teil jener Kunstszene, die den Körper, Material und unmittelbare Erfahrung ins Zentrum rückte.
Das Orgien-Mysterien-Theater war Nitschs Lebensprojekt. Es verband Musik, Geruch, Farbe, Text, Prozessionen und stark aufgeladene Bilder zu einem Gesamtkunstwerk. Schloss Prinzendorf in Niederösterreich wurde zu einem zentralen Ort dieser Arbeit. Dort entstanden Aufführungen, Proben, Malaktionen und später auch das sechstägige Spiel, das Nitsch seit Jahrzehnten vorbereitet hatte und 1998 erstmals in dieser Form realisierte.
Nitsch blieb nicht auf Aktion und Performance beschränkt. Seine Schüttbilder, Partituren, Zeichnungen, Drucke und musikalischen Arbeiten zeigen, wie konsequent er Kunst als Zusammenspiel verschiedener Sinne verstand. Farbe wurde bei ihm Bildfläche und Spur einer Handlung. Seine Arbeiten wurden in Museen und Ausstellungen gezeigt, unter anderem im Umfeld der documenta und in eigenen Nitsch-Museen in Mistelbach und Neapel.
Nitschs Kunst löste über Jahrzehnte Zustimmung, Ablehnung und Protest aus. Der Einsatz von Blut, Tierkörpern, religiösen Zeichen und extremen Sinneseindrücken wurde scharf kritisiert, besonders von Tierschutzgruppen und von Menschen, die seine Rituale als Zumutung empfanden. Zugleich nahm sein Werk in der österreichischen Nachkriegskunst eine besondere Stellung ein, weil es Schmerz, Feier, Religion, Körper und Theater in eine radikale künstlerische Form brachte.
Hermann Nitsch starb am 18. April 2022 in einem Krankenhaus in Mistelbach nach schwerer Krankheit. Er wurde 83 Jahre alt. Sein Werk bleibt mit Prinzendorf, dem Wiener Aktionismus, den Schüttbildern und der Idee eines umfassenden Theaters der Sinne verbunden.