

Expressionistische Tänzerin und Choreographin
Husten
Golders Green Crematorium
Hilde Holger (* 18. Oktober 1905 in Wien als Hilde Sofer; gestorben am 22. September 2001 in London) war eine österreichisch-britische Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin. Sie gehörte zur Tradition des mitteleuropäischen Ausdruckstanzes, arbeitete im Exil in Indien und prägte später in London Generationen von Tänzerinnen und Tänzern.
Holger wuchs in einer jüdischen Familie in Wien auf. Als Jugendliche studierte sie bei Gertrud Bodenwieser, einer wichtigen Vertreterin des modernen Ausdruckstanzes. In den 1920er-Jahren trat Holger als Tänzerin hervor und gründete in Wien eine eigene Schule. Ihr Unterricht zielte auf Ausdruck, Körperbewusstsein und künstlerische Eigenständigkeit statt auf reine Nachahmung vorgegebener Formen.
Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 wurde Holger als jüdische Künstlerin aus dem öffentlichen Kulturleben gedrängt. 1939 konnte sie nach Bombay emigrieren. Dort eröffnete sie erneut eine Tanzschule und arbeitete mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und sozialer Stellung. Indien wurde für sie Zufluchtsort und künstlerischer Raum zugleich, in dem sie Bewegung, Gestik und Unterricht neu erprobte.
Nach dem Krieg zog Holger nach London. In Camden baute sie eine Schule für zeitgenössischen Tanz auf und unterrichtete über Jahrzehnte hinweg. Ihre Arbeit war weniger auf schnelle öffentliche Berühmtheit angelegt als auf langfristige Weitergabe. Schülerinnen und Schüler beschrieben eine Lehrerin mit hohen Ansprüchen, die individuelle Ausdruckskraft ernst nahm und zugleich Disziplin verlangte.
Besonders wichtig wurde Holgers Offenheit für Menschen mit Behinderungen und Lernschwierigkeiten. Sie nahm sie in ihre Arbeit auf, wenn sie ernsthaft tanzen wollten, und unterstützte damit eine Entwicklung, die später im integrierten Tanz große Bedeutung gewann. Einer ihrer Schüler, Wolfgang Stange, führte diesen Ansatz mit der Amici Dance Theatre Company weiter.
Holgers Weg führte von Wien über Bombay nach London und verband mehrere Kulturräume. Ihr Werk lässt sich deshalb nicht auf eine nationale Tanzgeschichte reduzieren. Es steht für Exil, Weitergabe und eine Pädagogik, die den Körper als Träger von Erfahrung, Erinnerung und Selbstbestimmung verstand. Ihre Arbeit blieb auch nach ihrem Tod in Archiven, Dokumentationen und Schülergenerationen präsent.
Hilde Holger starb am 22. September 2001 in London. Sie wurde 95 Jahre alt. Ihr Andenken ist mit dem Ausdruckstanz, mit jüdisch-österreichischem Exil und mit einer Tanzpädagogik verbunden, die künstlerische Genauigkeit und Offenheit füreinander zusammenbrachte.