
Lettischer Schriftsteller
Imants Ziedonis (* 3. Mai 1933 in Ragaciems; gestorben am 27. Februar 2013 in Riga) war ein lettischer Dichter, Prosaschriftsteller, Publizist, Übersetzer und Kulturpolitiker. Seine Gedichte, Miniaturen, Kinderbücher und Essays begleiteten mehrere Generationen in Lettland und verbanden Alltag, Natur, Sprache und nationale Selbstbehauptung.
Ziedonis wurde in Ragaciems in einer Fischerfamilie geboren. Nach der Schule studierte er Philologie an der Universität Lettlands in Riga und schloss 1959 ab. Später besuchte er höhere Literaturkurse in Moskau. Vor und neben dem Schreiben arbeitete er unter anderem als Bibliothekar, Straßenbauarbeiter, Lehrer und Literaturredakteur. Diese Nähe zu praktischer Arbeit, Landschaft und gesprochener Sprache blieb in vielen Texten spürbar.
1961 erschien seine erste umfangreichere Gedichtsammlung Zemes un sapņu smilts. In den folgenden Jahren kamen Bücher wie Sirds dinamīts, Motocikls und Es ieeju sevī hinzu. In den 1970er Jahren wandte sich Ziedonis intensiv der lettischen Volkskultur zu. Aus dieser Arbeit entstanden seine Epifānijas, kurze, verdichtete Prosastücke, außerdem Märchen und Kinderbücher wie Krāsainās pasakas.
Ziedonis schrieb im sowjetisch besetzten Lettland mit einer offenen, bildreichen und oft eigensinnigen Sprache. Seine Essays und öffentlichen Initiativen berührten Fragen von Kultur, Landschaft, Bildung und Verantwortung. Er arbeitete im Umfeld des Lettischen Kulturfonds und unterstützte Projekte, die Dainas, alte Bäume, Ortsgeschichten und kulturelles Gedächtnis in den Blick rückten.
In der Zeit der lettischen Wiedererweckungsbewegung Atmoda trat Ziedonis auch politisch hervor. 1990 wurde er in den Obersten Rat der Republik Lettland gewählt. Am 4. Mai 1990 gehörte er zu den Abgeordneten, die für die Erklärung zur Wiederherstellung der Unabhängigkeit Lettlands stimmten. Literatur und politisches Handeln standen bei ihm dadurch nah beieinander, ohne dass seine Texte auf Tagespolitik reduziert wurden.
Imants Ziedonis starb am 27. Februar 2013 in Riga. Er wurde 79 Jahre alt und wurde auf dem Friedhof von Ragaciems beigesetzt. Sein Werk bleibt in Lettland mit poetischer Sprache, kultureller Selbstprüfung und der Frage verbunden, wie ein Land seine Landschaft, seine Wörter und seine Freiheit wahrnimmt.