

Schweizer Tiefseeforscher und Ozeanograph
Jacques Piccard (* 28. Juli 1922 in Brüssel; gestorben am 1. November 2008 in La Tour-de-Peilz) war ein Schweizer Ozeanograf, Ingenieur und Tiefseepionier. Gemeinsam mit Don Walsh erreichte er am 23. Januar 1960 im Bathyscaph Trieste das Challenger Deep im Marianengraben, den tiefsten bekannten Punkt der Ozeane. Später entwickelte er Mesoscaphe für mittlere Tiefen und setzte sich für den Schutz von Seen und Meeren ein.
Piccard wurde in Brüssel geboren, wo sein Vater Auguste Piccard als Physiker arbeitete. Die Familie war eng mit Forschung, Technik und Grenzerfahrungen verbunden: Auguste Piccard wurde durch Höhenflüge und später durch die Entwicklung des Bathyscaphen bekannt. Jacques studierte in Genf, beschäftigte sich mit Wirtschaft, Geschichte und Physik und fand schließlich seinen eigenen Weg in die Meeresforschung. Aus der Familientradition wurde bei ihm keine bloße Fortsetzung, sondern eine Verschiebung von der Höhe in die Tiefe.
Gemeinsam mit seinem Vater arbeitete Piccard an der Trieste, einem Tiefseefahrzeug, dessen schwere Druckkugel unter einem mit Auftriebskörpern verbundenen Schwimmer hing. Das Prinzip erlaubte Tauchgänge in Tiefen, die gewöhnliche U-Boote nicht erreichen konnten. Ende der 1950er-Jahre übernahm die US Navy das Fahrzeug und bereitete es für extreme Tiefseetests im Pazifik vor. Piccard blieb als erfahrener Konstrukteur und Pilot zentral an dem Projekt beteiligt.
Am 23. Januar 1960 tauchten Jacques Piccard und der US-Navy-Offizier Don Walsh mit der Trieste in das Challenger Deep. Die Angaben zur exakten Tiefe unterscheiden sich je nach Messung, doch der Tauchgang lag bei rund 10.900 Metern. Für die beiden Männer bedeutete die Fahrt stundenlange Enge, Dunkelheit und enormen Druck außerhalb der Kabine. Für die Ozeanografie zeigte sie, dass auch der tiefste Meeresboden nicht nur eine abstrakte Zahl auf Karten war, sondern ein real erreichbarer Forschungsraum.
Nach dem Rekordtauchgang richtete Piccard den Blick stärker auf mittlere Tiefen und längere Aufenthalte unter Wasser. Für die Schweizer Landesausstellung 1964 entwarf er den Mesoscaphe Auguste Piccard, ein Passagier-U-Boot für den Genfersee. 1969 folgte die Driftmission der Ben Franklin im Golfstrom. Die Besatzung blieb etwa einen Monat unter Wasser; neben ozeanografischen Messungen interessierte die Mission auch NASA-Forscher, weil Isolation, Enge und Teamarbeit Parallelen zur Raumfahrt hatten.
Piccard verstand Tiefseetechnik nicht nur als Abenteuer. Er warnte vor Verschmutzung und gründete eine Stiftung zum Studium und Schutz von Meeren und Seen. Diese Haltung verband seine technischen Projekte mit einer ökologischen Frage: Wer in große Tiefen vordringt, sieht nicht nur das Außergewöhnliche, sondern auch die Verletzlichkeit von Wasserwelten, die lange als unberührt galten.
Jacques Piccard starb am 1. November 2008 in La Tour-de-Peilz am Genfersee. Er wurde 86 Jahre alt. Sein Name steht für einen seltenen Moment der Forschungsgeschichte, in dem Technik, Mut und wissenschaftliche Neugier einen Ort erreichten, der bis dahin kaum vorstellbar war.