

US-amerikanischer Politiker; 39. Präsident der Vereinigten Staaten von 1977 bis 1981
Jimmy Carter House, Sumter County
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Jimmy Carter National Historical Park
Jimmy Carter (* 1. Oktober 1924 in Plains, Georgia; gestorben am 29. Dezember 2024 in Plains) war der 39. Präsident der Vereinigten Staaten, Gouverneur von Georgia, Marineoffizier, Autor und Friedensnobelpreisträger. Seine Präsidentschaft von 1977 bis 1981 war von Energiekrise, Inflation, Menschenrechtspolitik, Camp David und der Geiselnahme in Iran geprägt. Nach dem Ende seiner Amtszeit wurde er zu einer der ungewöhnlichsten Figuren der amerikanischen Politik: ein ehemaliger Präsident, der jahrzehntelang als Wahlbeobachter, Vermittler, Krankheitsbekämpfer und öffentlicher Mahner arbeitete.

Carter wurde in Plains geboren und wuchs im ländlichen Südwesten Georgias auf. Sein Vater James Earl Carter Sr. war Farmer und Geschäftsmann, seine Mutter Lillian Gordy Carter arbeitete als Krankenschwester. Nach Studienstationen in Georgia schloss Carter 1946 die United States Naval Academy ab. Er diente als U-Boot-Offizier und wurde für das frühe Atom-U-Boot-Programm von Hyman Rickover ausgewählt. Im selben Jahr heiratete er Rosalynn Smith, die aus seiner Heimatstadt stammte. Als sein Vater 1953 starb, verließ Carter die Marine und kehrte mit seiner Familie nach Plains zurück, um die Farm- und Lagerhausbetriebe zu führen.
Carters Einstieg in die Politik begann lokal, unter anderem über Bildungs- und Gemeindegremien. 1962 wurde er in den Senat von Georgia gewählt. Der Weg zum Gouverneursamt war nicht geradlinig: 1966 verlor er eine erste Kandidatur, 1970 gewann er. Bei seiner Vereidigung 1971 erklärte er, die Zeit der Rassendiskriminierung sei vorbei. Diese Aussage stand in einem Bundesstaat, dessen Politik lange von Segregation geprägt war, für einen sichtbaren Bruch. Als Gouverneur modernisierte Carter Verwaltung und Haushaltsführung und wurde national als Vertreter eines veränderten Südens wahrgenommen.
Am 12. Dezember 1974 kündigte Carter seine Präsidentschaftskandidatur an. Nach Watergate traf sein Bild als unverdorbener Außenseiter einen politischen Moment, in dem viele Amerikaner neues Vertrauen in Regierung und Amt suchten. Carter gewann 1976 die demokratische Nominierung und besiegte den amtierenden Präsidenten Gerald Ford. Am 20. Januar 1977 wurde er vereidigt. Sein Regierungsstil verband religiös geprägtes Pflichtgefühl, nüchterne Detailarbeit und den Anspruch, Menschenrechte zu einem Kern amerikanischer Außenpolitik zu machen.
Carters Amtszeit brachte wichtige Entscheidungen, aber auch schwere Belastungen. Außenpolitisch vermittelte er 1978 in Camp David zwischen dem ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat und dem israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin. Daraus entstand 1979 der Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel, eine der dauerhaftesten diplomatischen Leistungen seiner Präsidentschaft. Zugleich normalisierte seine Regierung die Beziehungen der USA zur Volksrepublik China und verhandelte SALT II mit der Sowjetunion. Im Inneren standen Energiepolitik, Inflation, Arbeitslosigkeit und Verwaltungsreformen im Mittelpunkt. Mit dem Energieministerium und dem Bildungsministerium entstanden neue Bundesministerien; der Alaska National Interest Lands Conservation Act stellte große Flächen in Alaska unter Schutz.
Die Besetzung der US-Botschaft in Teheran am 4. November 1979 veränderte die Wahrnehmung seiner Präsidentschaft. 52 Amerikaner wurden festgehalten; die Krise dominierte Nachrichten, Diplomatie und Wahljahr. Ein Befreiungsversuch im April 1980 scheiterte. Carter blieb öffentlich eng mit dem Ringen um die Geiseln verbunden, während wirtschaftliche Probleme und politische Erschöpfung zunahmen. 1980 verlor er die Wahl gegen Ronald Reagan. Am 20. Januar 1981 endete Carters Amtszeit; am selben Tag kamen die amerikanischen Geiseln frei.
1982 gründeten Jimmy und Rosalynn Carter gemeinsam mit der Emory University das Carter Center in Atlanta. Aus dieser Arbeit entstand ein zweites öffentliches Leben, das länger dauerte als seine Präsidentschaft. Das Center engagierte sich in Konfliktvermittlung, Wahlbeobachtung, Demokratieförderung, Menschenrechten, mentaler Gesundheit und der Bekämpfung vermeidbarer Krankheiten. Besonders sichtbar wurde der Kampf gegen die Guinea-Wurm-Krankheit, deren Fallzahlen über Jahrzehnte drastisch sanken. Carter reiste in Krisenregionen, beobachtete Wahlen, vermittelte in politischen Konflikten und arbeitete mit Rosalynn auch für Habitat for Humanity.
1999 erhielten Jimmy und Rosalynn Carter die Presidential Medal of Freedom. 2002 wurde Jimmy Carter mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Das Nobelkomitee würdigte seine jahrzehntelange Arbeit für friedliche Konfliktlösungen, Demokratie, Menschenrechte und soziale Entwicklung. Carter schrieb zahlreiche Bücher über Politik, Glauben, Nahost, Menschenrechte, Alter und sein eigenes Leben. Er blieb auch dann öffentlich präsent, wenn seine Positionen umstritten waren, etwa in der Debatte über Israel und Palästina. Gerade diese Mischung aus Pflichtgefühl, Hartnäckigkeit und Bereitschaft zum Widerspruch prägte seinen späten Ruf.
Jimmy Carter starb am 29. Dezember 2024 in seinem Haus in Plains, umgeben von seiner Familie. Er wurde 100 Jahre alt und war der am längsten lebende Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Sein Leben lässt sich nicht auf eine einzige Amtszeit verkürzen. Carter bleibt mit Camp David, schwierigen Krisenjahren im Weißen Haus und einer außergewöhnlich aktiven Zeit danach verbunden. Für viele Menschen wurde gerade diese Zeit nach der Präsidentschaft zum Kern seines Vermächtnisses: praktische Hilfe, internationale Verantwortung und die Überzeugung, dass öffentlicher Dienst nicht mit einem Amt endet.
bis 2023