

Deutscher Automobilrennfahrer
Jochen Mass (* 30. September 1946 in Dorfen; gestorben am 4. Mai 2025 in Cannes) war ein deutscher Automobilrennfahrer und späterer Motorsportkommentator. Er fuhr von 1973 bis 1982 in der Formel 1, gewann 1975 den Großen Preis von Spanien und siegte 1989 mit Sauber-Mercedes bei den 24 Stunden von Le Mans. Seine Laufbahn führte vom Tourenwagen über die Formel 1 bis in den Langstreckensport.
Mass kam nicht auf dem geraden Weg in den Rennsport. Als junger Mann fuhr er zur See und arbeitete in der Handelsmarine, bevor er in den Motorsport wechselte. Diese Herkunft blieb Teil seines Bildes: Er galt als ruhiger, techniknaher Fahrer, der Autos verstand und Teams mit Erfahrung und Gelassenheit weiterbringen konnte. Anfang der 1970er-Jahre machte er im Tourenwagen- und Formel-2-Sport auf sich aufmerksam.
1973 debütierte Mass in der Formel 1, später fuhr er unter anderem für Surtees, McLaren, ATS, Arrows und March. Seine erfolgreichste Zeit hatte er bei McLaren. Am 27. April 1975 gewann er den Großen Preis von Spanien auf dem Stadtkurs Montjuïc in Barcelona. Der Sieg blieb sportlich bedeutend, war aber von einem schweren Unfall im Rennen überschattet, nach dem der Grand Prix vorzeitig abgebrochen wurde. Mass erhielt deshalb nur halbe Punkte, blieb aber einer der wenigen deutschen Grand-Prix-Sieger seiner Generation.
Mass fuhr in einer Formel-1-Zeit, in der Sicherheit noch weit von heutigen Standards entfernt war. 1982 war er am Unfall beteiligt, bei dem Gilles Villeneuve in Zolder tödlich verunglückte; Mass wurde keine Schuld gegeben. Wenige Monate später beendete er nach einem eigenen schweren Unfall seine Formel-1-Karriere. Solche Ereignisse gehörten zu einer Epoche des Motorsports, in der technische Faszination, Risiko und Verlust noch sehr nah beieinander lagen.
Nach der Formel 1 wurde Mass im Sportwagen- und Langstreckenrennsport besonders erfolgreich. Für Porsche und später Mercedes-Benz fuhr er große Rennen, testete, entwickelte und brachte technische Erfahrung ein. 1989 gewann er gemeinsam mit Manuel Reuter und Stanley Dickens die 24 Stunden von Le Mans im Sauber-Mercedes C9. Dieser Sieg zeigte eine andere Seite seiner Stärke: Ausdauer, Teamarbeit, Materialgefühl und Konzentration über viele Stunden.
Nach der aktiven Karriere blieb Mass dem Motorsport eng verbunden. Er arbeitete als Kommentator, trat bei historischen Veranstaltungen auf und war als Gesprächspartner für alte und neue Rennsportgenerationen gefragt. Auch bei klassischen Rennwagen wirkte er glaubwürdig, weil er nicht nur von Geschwindigkeit sprach, sondern von Technik, Verantwortung und dem Respekt vor Maschinen, Strecken und Fahrern.
Jochen Mass starb am 4. Mai 2025 in Cannes, nachdem er im Februar einen Schlaganfall erlitten hatte. Er wurde 78 Jahre alt. Sein Name bleibt mit einem selten breiten Motorsportleben verbunden: Formel-1-Sieg, Le-Mans-Erfolg, technische Erfahrung und eine ruhige Autorität, die auch nach dem Ende seiner Rennfahrerzeit spürbar blieb.