

Niederländischer Schauspieler und Operettensänger
Nordfriedhof
Johannes Heesters (* 5. Dezember 1903 in Amersfoort als Johan Marius Nicolaas Heesters; gestorben am 24. Dezember 2011 in Starnberg) war ein niederländischer Schauspieler, Operettentenor und Entertainer, der vor allem im deutschsprachigen Raum berühmt wurde. Seine Karriere reichte von den 1920er-Jahren bis kurz vor seinem Tod und machte ihn zu einem der ältesten aktiven Bühnenkünstler der Welt.
Heesters wuchs in den Niederlanden auf, absolvierte zunächst eine Banklehre und erhielt Schauspielunterricht in Amsterdam. Schon früh fand er zur Operette und zur Revue, also zu Formen, die Gesang, Eleganz, Komödie und Bühnenpräsenz eng verbinden. In den 1930er-Jahren trat er in Wien und Berlin auf. Aus Johan Heesters wurde im deutschen Kulturbetrieb Johannes Heesters, ein Name, der stärker auf das deutsche Publikum zugeschnitten war.
Seine berühmteste Rolle wurde Graf Danilo in Franz Lehárs Die lustige Witwe. Am 31. Dezember 1938 spielte er die Partie erstmals am Münchner Gärtnerplatztheater; später soll er sie mehr als 1.600 Mal verkörpert haben. Auch im Film wurde Heesters bekannt, unter anderem durch Produktionen wie Der Bettelstudent, Gasparone, Hallo Janine und Die Csárdásfürstin. Sein Markenzeichen war eine helle Tenorstimme, verbunden mit Frack, Zylinder, Charme und routinierter Leichtigkeit.
Der Glanz dieser Karriere steht neben einem belasteten historischen Kontext. Heesters wurde in der NS-Zeit zum Star des deutschsprachigen Unterhaltungskinos. Seine Filme waren keine offenen Propagandafilme, dienten aber der Ablenkung in einem staatlich gelenkten Kulturbetrieb. 1941 besuchte er mit dem Ensemble des Gärtnerplatztheaters das Konzentrationslager Dachau. Ob er dort vor SS-Angehörigen auftrat, blieb umstritten; Heesters bestritt es bis zuletzt. In den Niederlanden belasteten diese Jahre seinen Ruf dauerhaft.
Nach 1945 blieb Heesters in Deutschland und Österreich erfolgreich. Er spielte weiter Operette, Film, Fernsehen und Boulevardtheater und wurde für viele Zuschauer zur Verkörperung einer alten Form der Bühnenunterhaltung. Gerade diese Kontinuität war doppeldeutig: Sie zeigte seine enorme professionelle Ausdauer, aber auch, wie bruchlos Teile der Unterhaltungskultur nach dem Krieg weiterliefen. In Deutschland wurde er weiter gefeiert, in den Niederlanden blieb sein Auftreten lange umstritten.
Heesters stand bis ins sehr hohe Alter auf der Bühne. Er spielte Altersrollen, trat in Shows auf und wurde immer wieder als ältester aktiver Schauspieler der Welt bezeichnet. Seit 1992 war er mit der Schauspielerin Simone Rethel verheiratet. 2008 trat er nach Jahrzehnten wieder in seiner Geburtsstadt Amersfoort auf; das Konzert erfüllte ihm einen Wunsch, löste aber auch Proteste aus. Noch 2010 war er trotz Erblindung auf einer Berliner Bühne zu sehen.
Johannes Heesters starb am 24. Dezember 2011 im Klinikum Starnberg. Er wurde 108 Jahre alt. Sein Lebensweg verbindet außergewöhnliche Bühnenausdauer, die Geschichte der Operette, Ufa-Unterhaltung, Nachkriegsfernsehen und eine schwierige Spannung: Seine Kunst machte vielen Menschen Freude und war zugleich in einem mörderischen Regime erfolgreich.
bis 1985
bis 2011