

Österreichischer Schriftsteller
Johannes Mario Simmel (* 7. April 1924 in Wien; gestorben am 1. Januar 2009 in Luzern) war ein österreichischer Schriftsteller, Journalist und Drehbuchautor. Er gehörte zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts und verband Unterhaltungsroman, Zeitgeschichte und gesellschaftspolitische Themen.
Simmel wurde als Sohn hamburgischer Eltern in Wien geboren. Sein Vater Walter Simmel war jüdischer Herkunft, Teile der Familie erlebten Verfolgung und Verlust durch den Nationalsozialismus. Simmel wuchs in Österreich und England auf und absolvierte später eine Ausbildung zum Chemieingenieur. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er in der Forschung; nach Kriegsende war er unter anderem als Übersetzer für die amerikanische Militärverwaltung tätig.
Nach 1945 begann Simmel in Wien als Journalist und veröffentlichte Kritiken, Erzählungen und erste literarische Texte. Später arbeitete er für die Münchner Illustrierte Quick und schrieb Reportagen aus Europa und Amerika. Parallel entstanden zahlreiche Drehbücher. Diese journalistische Schule blieb in seinen Romanen sichtbar: Viele Bücher verbinden Recherche, Tempo, konkrete Schauplätze und politische Gegenwart.
Mit Es muss nicht immer Kaviar sein gelang Simmel 1960 einer seiner größten Erfolge. Der Agentenroman um Thomas Lieven wurde international gelesen, verfilmt und zum Titel, der weit über das Buch hinaus bekannt blieb. Weitere Romane wie Und Jimmy ging zum Regenbogen, Der Stoff, aus dem die Träume sind und Hurra, wir leben noch machten ihn zu einem Autor, dessen Bücher Millionenauflagen erreichten.
Simmels Erfolg wurde von der Literaturkritik lange skeptisch betrachtet. Seine Romane waren breit angelegt, emotional, erzählerisch direkt und oft deutlich moralisch. Gleichzeitig griff er Themen auf, die viele Leserinnen und Leser bewegten: Kalter Krieg, Nationalsozialismus, Biowaffen, Drogenhandel, Umweltzerstörung, Genmanipulation und soziale Verantwortung. Seine Popularität beruhte auch darauf, dass er politische Sorgen in zugängliche Geschichten übersetzte.
Insgesamt erreichten Simmels Bücher eine Auflage von vielen Millionen Exemplaren und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Er erhielt Auszeichnungen in Österreich und Deutschland, darunter den Hermann-Kesten-Preis und hohe staatliche Ehrungen. In seinen späteren Jahren lebte er in der Schweiz. Trotz der Kritik am Bestsellerformat wurde sein Werk zunehmend als Teil der Literatur- und Mediengeschichte der Nachkriegszeit betrachtet.
Johannes Mario Simmel starb am 1. Januar 2009 in Luzern. Er wurde 84 Jahre alt. Sein Andenken ist mit populären Romanen verbunden, die gesellschaftliche Angst, moralische Fragen und Unterhaltungslust in eine Form brachten, die ein großes Publikum erreichte.