

Britische Illustratorin und Schriftstellerin
Judith Kerr (* 14. Juni 1923 in Berlin; gestorben am 22. Mai 2019 in London) war eine deutsch-britische Schriftstellerin und Illustratorin. Sie schuf Bilderbücher wie The Tiger Who Came to Tea und die Mog-Reihe und erzählte in Als Hitler das rosa Kaninchen stahl aus kindlicher Perspektive von Flucht und Exil.
Kerr wurde als Anna Judith Gertrud Helene Kerr in eine jüdische Familie geboren. Ihr Vater Alfred Kerr war Theaterkritiker und ein öffentlicher Gegner der Nationalsozialisten, ihre Mutter Julia Kerr war Komponistin. 1933 floh die Familie aus Deutschland, zunächst in die Schweiz, dann nach Frankreich und schließlich nach Großbritannien. Judith Kerr war damals ein Kind; später fand sie eine Sprache, in der Verlust, Angst, Anpassung und Alltag nebeneinander stehen konnten.
In Großbritannien lernte Kerr Englisch, ging zur Schule und studierte später an der Central School of Art. Während des Krieges arbeitete sie zeitweise für das Rote Kreuz. Nach 1945 fand sie zurück zur künstlerischen Ausbildung und arbeitete später auch im Umfeld der BBC. 1954 heiratete sie den Drehbuchautor Nigel Kneale. Aus der Familienzeit mit ihren Kindern entwickelte sich schließlich der Weg zu ihren eigenen Büchern.
1968 erschien The Tiger Who Came to Tea. Die Geschichte von Sophie, ihrer Mutter und dem höflichen Tiger, der zum Tee erscheint und den Haushalt leerisst, wurde zu einem der dauerhaft gelesenen britischen Bilderbücher. Kerr bestand darauf, dass der Tiger kein verschlüsseltes Symbol war. Gerade diese Leichtigkeit gehört zur Wirkung des Buches: Das Unwahrscheinliche tritt in eine normale Küche, bringt Unordnung und verschwindet wieder.
Mit Mog the Forgetful Cat begann Kerr eine weitere lange Reihe. Mog war keine perfekte Kinderbuchkatze, sondern zerstreut, verletzlich, eigensinnig und dadurch nah am Familienalltag. Kerrs Zeichnungen arbeiten mit klaren Linien, warmen Räumen und genauer Komik. Ihre Bücher nehmen Kinder ernst, ohne schwer zu werden: Sie erlauben Angst, Missgeschick, Trost und Freude in einfachen Szenen.
1971 erschien When Hitler Stole Pink Rabbit, auf Deutsch Als Hitler das rosa Kaninchen stahl. Darin verwandelte Kerr ihre eigene Fluchtgeschichte in Literatur für junge Leserinnen und Leser. Das Buch erklärt Verfolgung nicht abstrakt, sondern folgt einem Kind, das Sprachen, Wohnungen, Schulen und Gewissheiten verliert und dennoch beobachtet, fragt und weiterlebt. 1974 erhielt es den Deutschen Jugendliteraturpreis.
Judith Kerr starb am 22. Mai 2019 in ihrem Haus in London nach kurzer Krankheit. Sie wurde 95 Jahre alt. Ihr Werk verbindet die Erfahrung des Exils mit einer seltenen Ruhe des Erzählens: klare Bilder, genaue Sätze und Geschichten, in denen Kinder die Welt nicht vollständig verstehen, aber ernsthaft in ihr handeln.
Als Hitler das rosa Kaninchen stahl