

Deutscher evangelischer Theologe
Stadtfriedhof Tübingen
Jürgen Moltmann (* 8. April 1926 in Hamburg; gestorben am 3. Juni 2024 in Tübingen) war ein deutscher evangelisch-reformierter Theologe und Hochschullehrer. Er wurde international bekannt durch Werke wie Theologie der Hoffnung, Der gekreuzigte Gott und Gott in der Schöpfung. Seine Theologie verband christlichen Glauben mit Geschichte, Leid, politischer Verantwortung, Ökumene und der Frage nach einer Hoffnung, die nicht vor der Wirklichkeit flieht.
Moltmann wuchs in Hamburg auf und interessierte sich zunächst eher für Mathematik und Physik als für Theologie. Der Zweite Weltkrieg riss diesen Weg ab. Als Jugendlicher erlebte er die Zerstörung Hamburgs, wurde zum Kriegsdienst eingezogen und geriet 1945 in britische Kriegsgefangenschaft. In Lagern in Belgien, Schottland und England begegnete er der Bibel, christlicher Versöhnungsarbeit und der Frage, wie nach Schuld, Tod und Zerstörung überhaupt noch von Gott gesprochen werden kann. Aus dieser Erfahrung entstand kein einfacher Trost, sondern eine lebenslange theologische Suche.
Nach der Rückkehr nach Deutschland studierte Moltmann Theologie in Göttingen. 1952 heiratete er die Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel, die später selbst eine wichtige Stimme feministischer Theologie wurde. Moltmann arbeitete zunächst als Pfarrer und kam dann an die Kirchliche Hochschule Wuppertal, später an die Universität Bonn. 1967 wurde er Professor für Systematische Theologie und Sozialethik an der Universität Tübingen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1994 lehrte und weit darüber hinaus wirkte.
Mit Theologie der Hoffnung wurde Moltmann 1964 international bekannt. Das Buch stellte Hoffnung nicht als private Vertröstung dar, sondern als Kraft, die Gegenwart verändert. Christlicher Glaube bedeutete bei Moltmann nicht Rückzug aus der Welt, sondern Erwartung einer Zukunft Gottes, die Menschen zu Kritik, Engagement und Solidarität bewegt. Damit sprach er in eine Zeit von Kaltem Krieg, politischer Neuorientierung, Studentenbewegung und ökumenischem Aufbruch hinein.
1972 veröffentlichte Moltmann Der gekreuzigte Gott. Darin stellte er das Leiden Christi in die Mitte christlicher Rede von Gott. Für Moltmann war Gott nicht fern vom Leid der Welt, sondern im Kreuz selbst mit den Verlassenen und Gedemütigten verbunden. Diese Gedanken waren auch eine Antwort auf Auschwitz und auf die Frage, wie Theologie nach den Verbrechen des 20. Jahrhunderts verantwortbar bleiben kann.
Moltmann schrieb über Kirche, Trinität, Schöpfung, Ökologie, Frieden und politische Verantwortung. Er wurde weltweit gelesen, hielt Vorträge auf mehreren Kontinenten und nahm an ökumenischen Debatten teil, unter anderem im Umfeld des Ökumenischen Rates der Kirchen. Seine Sprache blieb theologisch anspruchsvoll, aber sie zielte auf öffentliche Fragen: Was trägt Hoffnung in Krisen? Wie hängen Glaube, Gerechtigkeit und Freiheit zusammen? Und wie lässt sich von Schöpfung sprechen, ohne die Erde nur als Besitz des Menschen zu betrachten?
Jürgen Moltmann starb am 3. Juni 2024 in Tübingen. Er wurde 98 Jahre alt. Sein Werk bleibt eine der einflussreichsten protestantischen Stimmen der Gegenwartstheologie. Es verbindet persönliche Kriegserfahrung, wissenschaftliche Arbeit und eine Hoffnung, die nicht harmlos ist und an Leid, Schuld und Verantwortung nicht vorbeigeht.
bis 2016
bis 1994