

Schweizer Komponist
Klaus Huber (* 30. November 1924 in Bern; gestorben am 2. Oktober 2017 in Perugia) war ein Schweizer Komponist, Violinist, Dirigent und Kompositionslehrer. Er arbeitete in Basel und Freiburg, verband Neue Musik mit alten kontrapunktischen Techniken und bezog religiöse, politische und außereuropäische Denkweisen in sein Schaffen ein.
Hubers Weg führte zunächst über eine Ausbildung zum Lehrer in Basel. Danach studierte er Violine und Komposition, unter anderem bei Willi Burkhard und Boris Blacher. Diese Verbindung von Instrumentalpraxis, Tonsatz und kompositorischem Denken zeichnete sein Werk aus. Ihm ging es um eine Musik, die genau hört, historische Schichten aufnimmt und den Menschen in seiner Zeit ernst nimmt.
Hubers Musik gehört zur europäischen Nachkriegsmusik und lässt sich schwer einer einzelnen Richtung zuordnen. Er arbeitete mit dichter Polyphonie, feinen Klangabstufungen, Mikrointervallen und Texten aus religiösen, literarischen und politischen Zusammenhängen. Werke wie Cantiones de Circulo Gyrante verbinden Hildegard von Bingen, Heinrich Böll und Fragen nach Zerstörung, Glauben und Verantwortung. Später beschäftigte er sich intensiv mit arabischer Kultur und Musiktheorie.
Von 1961 bis 1973 unterrichtete Huber an der Musik-Akademie Basel. 1973 wurde er Professor für Komposition an der Hochschule für Musik Freiburg, wo er bis 1991 wirkte und das Institut für Neue Musik leitete. Schon 1969 gründete er das Internationale Komponistenseminar Boswil in der Schweiz. Für viele junge Komponistinnen und Komponisten wurde sein Unterricht zu einem Ort, an dem Handwerk, Denken und künstlerische Eigenständigkeit zusammenkamen.
Zu den Komponistinnen und Komponisten, die bei Huber studierten oder aus seinem Freiburger Umfeld hervorgingen, zählen Brian Ferneyhough, Wolfgang Rihm, Younghi Pagh-Paan, Toshio Hosokawa, Michael Jarrell und Kaija Saariaho. Diese Namen zeigen Reichweite und Vielfalt seiner Klasse. Huber gab keine einheitliche Stilvorgabe weiter; er förderte unterschiedliche Stimmen, die sich in sehr verschiedenen musikalischen Sprachen entwickelten.
Huber war Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Er erhielt unter anderem den Reinhold-Schneider-Preis, den Kultur- und Friedenspreis der Villa Ichon und 2009 den Ernst von Siemens Musikpreis. Die Auszeichnung würdigte einzelne Werke ebenso wie ein kompositorisches Denken, das Musik, Ethik, Geschichte und Gegenwart miteinander in Beziehung setzte.
Klaus Huber starb am 2. Oktober 2017 in Perugia, nahe seinem italienischen Wohnort Panicale. Er wurde 92 Jahre alt. Sein Werk bleibt mit einer Musik verbunden, die religiöse Texte, politische Fragen, historische Verfahren und genaue Klangarbeit zusammenführt und ihre Spannungen stehen lässt.