

Deutscher Komponist, Musiker und Produzent, Wegbereiter der Berliner Schule
Lüneburg
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Klaus Schulze (* 4. August 1947 in Berlin; gestorben am 26. April 2022) war ein deutscher Komponist, Musiker und Pionier der elektronischen Musik. Er spielte kurz bei Tangerine Dream, gründete Ash Ra Tempel mit und entwickelte danach eine umfangreiche Solokarriere, die Ambient, Krautrock, die Berliner Schule und spätere Techno- und Trance-Ästhetiken beeinflusste.
Schulze wuchs in Berlin auf und spielte als Jugendlicher Schlagzeug, Gitarre und Bass in verschiedenen lokalen Bands. 1969 kam er zu Tangerine Dream und war auf deren Debütalbum Electronic Meditation zu hören. Die Rolle des Schlagzeugers wurde ihm jedoch bald zu eng. Mit Manuel Göttsching und Hartmut Enke gründete er Ash Ra Tempel, bevor er sich auf eine eigene musikalische Sprache konzentrierte.
Schulze suchte nach langen Spannungsbögen, offenen Klangräumen und harmonischen Bewegungen, die sich mit herkömmlichen Rock-Instrumenten kaum erreichen ließen. Der Synthesizer gab ihm dafür ein neues Werkzeug. Auf frühen Soloalben wie Irrlicht, Cyborg, Timewind, Moondawn und Mirage verband er elektronische Flächen, Sequenzen, Orgelklänge und rhythmische Muster zu ausgedehnten Stücken. Seine Musik verlangte Geduld und belohnte genaues Hören.
Schulze wurde zu einer prägenden Figur der Berliner Schule elektronischer Musik. Seine Stücke waren oft lang, langsam aufgebaut und von wiederkehrenden Pulsen getragen. Dabei ging es nicht nur um Technik. Entscheidend war die Dramaturgie: Klänge erschienen, veränderten sich, verschwanden wieder und bildeten eine eigene Form von Zeit. Diese Arbeitsweise beeinflusste Ambient, elektronische Filmmusik, Techno, Trance und viele Künstlerinnen und Künstler, die später mit Sequenzern und Synthesizern arbeiteten.
Schulze blieb trotz seiner Solokarriere ein Musiker der Begegnungen. Er arbeitete mit Stomu Yamashta, Arthur Brown, Lisa Gerrard, Pete Namlook und vielen anderen. Unter dem Namen Richard Wahnfried veröffentlichte er weitere Projekte, die oft stärker auf Groove, Zusammenarbeit und elektronische Experimente setzten. Seine Diskografie wurde dadurch riesig: Studioalben, Liveaufnahmen, Archivmaterial und Wiederveröffentlichungen bilden ein eigenes Universum.
In späteren Jahren wurde Schulzes Einfluss immer deutlicher sichtbar. Musiker aus Techno, Ambient, Industrial, Filmmusik und progressiver Rockmusik bezogen sich auf seine langen elektronischen Formen. Hans Zimmer griff für die Musik zu Dune auf Schulzes Werk zurück und würdigte seine Verbindung von Seele und Technologie. Schulze selbst blieb produktiv, auch wenn er 2013 ankündigte, keine Livekonzerte mehr zu geben.
Klaus Schulze starb am 26. April 2022 nach langer Nierenerkrankung. Er wurde 74 Jahre alt. Sein Werk bleibt mit einer besonderen Form elektronischer Musik verbunden: ausgedehnt, geduldig, klanglich reich und offen für Zukunftsbilder, ohne den Menschen hinter den Maschinen zu verlieren.