
Ostfilderfriedhof
Manfred Rommel (* 24. Dezember 1928 in Stuttgart; gestorben am 7. November 2013 in Stuttgart) war ein deutscher Jurist, CDU-Politiker, langjähriger Oberbürgermeister von Stuttgart und Autor. Von 1975 bis 1996 prägte er die baden-württembergische Landeshauptstadt durch liberale Integrationspolitik, solide Finanzen, internationale Offenheit und einen trockenen Humor, der weit über Stuttgart hinaus bekannt wurde.
Rommel war der einzige Sohn von Erwin Rommel und Lucie Rommel. Als Jugendlicher erlebte er den Nationalsozialismus nicht abstrakt, sondern im eigenen Elternhaus: Sein Vater wurde 1944 von der NS-Führung zum Suizid gezwungen, während die Öffentlichkeit eine andere Todesursache erfuhr. Manfred Rommel sprach später über diese Erfahrung ohne Pathos. Sie wurde zu einem Hintergrund seiner politischen Haltung: Misstrauen gegen Fanatismus, Respekt vor Recht und Würde und eine deutliche Abneigung gegen ideologische Härte.
Nach Krieg und Gefangenschaft studierte Rommel Rechtswissenschaft. Er arbeitete in der baden-württembergischen Verwaltung, unter anderem im Umfeld von Ministerpräsidenten und Ministerien, und wurde Finanzstaatssekretär. Diese Verwaltungsschule prägte ihn: Rommel dachte kommunale Politik nicht nur in großen Worten, sondern in Haushalten, Zuständigkeiten, Verkehr, Schulen, Wohnungen und langen Folgen einzelner Entscheidungen.
Am 1. Dezember 1974 wurde Rommel zum Oberbürgermeister gewählt; am 1. Januar 1975 trat er das Amt an. In seinen 22 Jahren an der Stadtspitze entstanden oder wuchsen wichtige Strukturen für die Region, darunter der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart, die S-Bahn-Entwicklung, Veranstaltungs- und Kongressflächen sowie internationale Städtepartnerschaften. Stuttgart blieb Industriestadt, wurde aber zugleich stärker Wissenschafts-, Kultur- und Integrationsstadt.
Rommel galt als konservativer Politiker mit liberalem Instinkt. Besonders sichtbar wurde das 1977 nach dem Tod der RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in Stuttgart-Stammheim. Gegen starke Proteste ermöglichte er ihre Beisetzung auf dem Dornhaldenfriedhof. Sein Satz „Mit dem Tod muss jede Feindschaft enden“ wurde zu einer Formel für eine Haltung, die Rechtstaatlichkeit und Menschlichkeit auch dann festhält, wenn öffentliche Empörung groß ist.
Stuttgart wurde unter Rommel für eine vergleichsweise offene Ausländerpolitik bekannt. Er betrachtete Zugewanderte nicht nur als Arbeitskräfte, sondern als Teil der Stadtgesellschaft. Auch international suchte er Verständigung. Freundschaften mit Angehörigen früherer Kriegsgegner und seine Kontakte zu Frankreich, Großbritannien und den USA machten aus seinem Leben keine einfache Versöhnungsgeschichte, aber eine glaubwürdige Arbeit an Verständigung nach dem Krieg.
Rommel schrieb Bücher, Reden und Aphorismen. Sein Humor war oft schwäbisch knapp, trocken und selbstironisch. Er konnte politische Härte entschärfen, ohne Konflikte zu leugnen. Gerade diese Mischung aus Sparsamkeit, Witz und moralischer Klarheit machte ihn zu einem der bekanntesten Kommunalpolitiker der Bundesrepublik.
Manfred Rommel starb am 7. November 2013 in Stuttgart. Er wurde 84 Jahre alt. Sein politisches Gewicht lag weniger in großen nationalen Ämtern als in einer kommunalen Praxis, die Alltag, Anstand und Weltoffenheit zusammenbrachte.