
Französischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Schauspieler
Marcel Ophüls, auch Marcel Ophuls, (* 1. November 1927 in Frankfurt am Main; gestorben am 24. Mai 2025 in Südwestfrankreich) war ein deutsch-französisch-amerikanischer Filmregisseur, Autor und Dokumentarfilmer. Seine bekanntesten Arbeiten, Le Chagrin et la Pitié und Hôtel Terminus, untersuchten Kollaboration, Erinnerung und Verantwortung im 20. Jahrhundert.
Ophüls wurde als Hans Marcel Oppenheimer geboren. Sein Vater war der Regisseur Max Ophüls, seine Mutter die Schauspielerin Hilde Wall. Die jüdische Familie verließ Deutschland nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, lebte zunächst in Frankreich und floh während des Zweiten Weltkriegs in die Vereinigten Staaten. Marcel Ophüls verbrachte prägende Jahre in Los Angeles, kehrte nach Europa zurück und arbeitete später als Regieassistent, unter anderem für John Huston, Julien Duvivier und seinen Vater.
In den 1950er- und 1960er-Jahren arbeitete Ophüls zunächst im Umfeld des Spielfilms und drehte auch eigene fiktionale Projekte. Dauerhaft fand er seine Form jedoch im langen dokumentarischen Essay. Er stellte Fragen vor der Kamera, setzte Archivmaterial neben Gespräche und ließ Widersprüche sichtbar stehen. Seine Filme suchten keine glatte historische Zusammenfassung, sondern zeigten, wie Erinnerung, Selbstbild und politische Verantwortung miteinander ringen.
Le Chagrin et la Pitié, international als The Sorrow and the Pity bekannt, entstand 1969 und kam am 5. April 1971 in Paris ins Kino. Der mehrstündige Film untersuchte am Beispiel von Clermont-Ferrand die deutsche Besatzung, das Vichy-Regime, Widerstand, Anpassung und Kollaboration in Frankreich. Er wurde für den Oscar nominiert und erhielt in Deutschland den Grimme-Preis. In Frankreich löste der Film eine breite Debatte aus, weil er einfache nationale Selbstbilder infrage stellte.
Ophüls griff ähnliche Fragen auch in The Memory of Justice auf, einem Film über Kriegsverbrechen, Nürnberger Prozesse und spätere Gewalt im 20. Jahrhundert. 1988 folgte Hôtel Terminus: The Life and Times of Klaus Barbie, eine umfangreiche Untersuchung über den NS-Verbrecher Klaus Barbie, dessen Fluchtwege, Unterstützer und spätere Strafverfolgung. Am 29. März 1989 gewann der Film den Oscar für den besten Dokumentarfilm.
Auch spätere Arbeiten wie November Days, Veillées d'armes und Ain't Misbehavin' verbanden persönliche Präsenz mit politischer Recherche. Ophüls blieb ein Filmemacher, der Interviews nicht nur als Informationsquelle nutzte, sondern als Begegnung mit Erinnerung, Abwehr und Selbstrechtfertigung. Diese Arbeitsweise machte seine Filme lang, anspruchsvoll und oft unbequem, aber auch präzise in der Beobachtung historischer Verantwortung.
Marcel Ophüls starb am 24. Mai 2025 im Alter von 97 Jahren in seinem Haus in Südwestfrankreich. Sein Werk bleibt mit einer Form des Dokumentarfilms verbunden, die historischen Stoff nicht abschließt, sondern durch Fragen, Gegenfragen und genaue Montage offenlegt, wo persönliche Erinnerung und politische Geschichte einander berühren.
Hôtel Terminus: Zeit und Leben des Klaus Barbie