

Deutsche Politikerin (SED), MdV, Ministerin für Volksbildung der DDR
Weimarer Republik
Parque del Recuerdo
Margot Honecker (* 17. April 1927 in Halle an der Saale als Margot Feist; gestorben am 6. Mai 2016 in Santiago de Chile) war eine deutsche SED-Politikerin und von 1963 bis 1989 Ministerin für Volksbildung der DDR. Sie gehörte zu den einflussreichsten Frauen der DDR-Führung und war zugleich die Ehefrau von Erich Honecker. Ihr Name steht für das streng ideologisierte Bildungssystem der DDR, für frühe Förderung und soziale Durchlässigkeit, aber auch für politische Indoktrination, Wehrunterricht, Jugendwerkhöfe und staatliche Eingriffe in Familien.
Margot Feist wuchs in Halle in einem kommunistisch geprägten Arbeiterhaushalt auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte sie in den neuen Jugend- und Parteistrukturen der sowjetischen Besatzungszone schnell Karriere. Sie arbeitete in der FDJ, war Vorsitzende der Pionierorganisation Ernst Thälmann und wurde früh Abgeordnete der Volkskammer. Diese Laufbahn war eng mit dem Aufbau der SED-Herrschaft verbunden: Jugend, Schule und Partei sollten nicht getrennte Räume sein, sondern ineinandergreifen.
1963 wurde Honecker Ministerin für Volksbildung. Zwei Jahre später folgte das Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem. Die DDR-Schule setzte auf einen einheitlichen Aufbau, polytechnische Bildung, Kinderbetreuung und die Verbindung von Unterricht und Berufswelt. Viele Familien erlebten darin Verlässlichkeit und Aufstiegschancen. Zugleich war Schule ein Instrument politischer Erziehung. Lehrpläne, Jugendorganisationen und Staatsbürgerkunde waren darauf ausgerichtet, Loyalität zum sozialistischen Staat zu formen.
Honeckers Ministerium war nicht nur für Schulen zuständig. In ihren Verantwortungsbereich fielen auch Jugendhilfe, Spezialheime und Jugendwerkhöfe. Besonders der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau wurde später zum Symbol für Drill, Einschüchterung und Gewalt gegen Jugendliche, die als unangepasst galten. Auch politisch motivierte Zwangsadoptionen werden mit dem DDR-Bildungs- und Jugendhilfesystem verbunden. Diese Punkte machen ihre Amtszeit bis heute schwer belastet.
Ende der 1970er-Jahre wurde der Wehrunterricht an DDR-Schulen eingeführt. Schülerinnen und Schüler wurden dadurch stärker auf militärische und sicherheitspolitische Themen ausgerichtet. Für Kirchen, viele Eltern und später für Bürgerrechtsgruppen war das ein Zeichen dafür, wie tief Staat, Partei und Schule ineinandergriffen. Honecker verteidigte diese Linie auch noch, als die Kritik am DDR-System immer offener wurde.
Im Herbst 1989 verlor auch Margot Honecker ihr Amt. Am 2. November 1989 wurde ihr Rücktritt als Volksbildungsministerin bekannt. Nach der deutschen Einheit lebte sie zunächst im Umfeld ihres Mannes in der Sowjetunion und später in Chile, wo ihre Tochter Sonja lebte. Aus Santiago verteidigte sie die DDR bis ins hohe Alter und wies Vorwürfe zu Zwangsadoptionen und politischer Repression zurück. Diese späte Verteidigung des alten Systems prägte den Blick auf ihre letzten Jahre.
Margot Honecker starb am 6. Mai 2016 in Santiago de Chile. Sie wurde 89 Jahre alt. Ihre Lebensgeschichte bleibt eng mit einer Bildungspolitik verbunden, die Millionen Kinder erreichte und zugleich Teil eines autoritären Systems war, das Anpassung verlangte und Abweichung bestrafte.
bis 1994