
Marina Lewycka (* 12. Oktober 1946 in Kiel; gestorben am 11. November 2025) war eine britisch-ukrainische Schriftstellerin und frühere Hochschuldozentin. Bekannt wurde sie 2005 mit dem Roman A Short History of Tractors in Ukrainian, der Familiendrama, Migrationserfahrung und Komik miteinander verband.
Lewycka kam in einem britisch geführten Flüchtlingslager in Kiel zur Welt. Ihre ukrainischen Eltern waren während des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland verschleppt worden; als Marina Lewycka etwa ein Jahr alt war, zog die Familie nach England. Sie wuchs unter anderem in Yorkshire, Lincolnshire und Oxfordshire auf. Zu Hause blieb Ukrainisch präsent, während sie in der Schule und im Alltag Englisch lernte. Diese Erfahrung zwischen Sprachen, Erinnerungen und neuen Zugehörigkeiten prägte später viele ihrer Figuren.
Lewycka studierte Englisch und Philosophie an der Keele University, anschließend Englische Literatur an der University of York. Danach begann sie eine Promotion am King's College London, die sie nicht abschloss. Sie arbeitete in der Erwachsenenbildung, schrieb Ratgeber für pflegende Angehörige und lehrte Medienwissenschaften an der Sheffield Hallam University. Viele Jahre schrieb sie neben Beruf und Familie, bevor aus einem Creative-Writing-Kurs in Sheffield der Stoff für ihren ersten Roman hervorging.
Am 31. März 2005 erschien A Short History of Tractors in Ukrainian bei Viking. Der Roman erzählt von zwei Schwestern, ihrem verwitweten ukrainischen Vater und einer späten Ehe, die Familienkonflikte und Erinnerungen an europäische Gewaltgeschichte freilegt. Das Buch wurde ein internationaler Erfolg, verkaufte sich in Großbritannien mehr als eine Million Mal, stand auf der Longlist des Man Booker Prize und auf der Shortlist des damaligen Orange Prize for Fiction. Beim Hay Festival gewann Lewycka dafür den Bollinger Everyman Wodehouse Prize für komische Literatur.
Nach ihrem Debüt veröffentlichte Lewycka weitere Romane, darunter Two Caravans, We Are All Made of Glue, Various Pets Alive and Dead, The Lubetkin Legacy und The Good, the Bad and the Little Bit Stupid. Ihre Bücher arbeiten mit Humor, aber sie behandeln keine leichten Themen: Arbeitsmigration, Pflege, Altern, Klassenfragen, Familienloyalität und die Brüche des europäischen 20. Jahrhunderts kehren immer wieder. Lewycka schrieb dabei aus der Nähe zu Sheffield und zur britischen Gegenwart, ohne die ukrainische Herkunft ihrer Familie aus dem Blick zu verlieren.
In ihren späteren Jahren lebte Lewycka mit multipler Systematrophie, einer seltenen fortschreitenden neurologischen Erkrankung. Sie sprach öffentlich darüber, wie die Krankheit ihre Bewegung, ihre Sprache und ihr Schreiben veränderte. Marina Lewycka starb am 11. November 2025 im Alter von 79 Jahren. Sie hinterließ ihren Partner Donald Sassoon und ihre Tochter Sonia.
Lewyckas Romane fanden ein großes Publikum, weil sie Witz und soziale Beobachtung eng zusammenführten. Ihre Figuren sind oft Menschen, die zwischen Ländern, Sprachen, Generationen und ökonomischen Zwängen leben. Gerade in dieser Mischung aus Komik, genauer Milieubeobachtung und historischer Erinnerung liegt die bleibende Kraft ihres Werks.