

Französischer Choreograf und Leiter des Béjart-Ballets
Maurice Béjart (* 1. Januar 1927 in Marseille als Maurice-Jean Berger; gestorben am 22. November 2007 in Lausanne) war ein französischer Tänzer, Choreograf und Opernregisseur, der später auch die Schweizer Staatsbürgerschaft erhielt. Er machte den Bühnentanz für ein großes internationales Publikum sichtbar und verband klassisches Ballett, moderne Bewegung, Theater, Popkultur, Ritual und große musikalische Formen.
Béjart wurde als Sohn des Philosophen Gaston Berger geboren. Er studierte Tanz in Paris und begann seine Laufbahn als Tänzer, unter anderem bei Roland Petit, im International Ballet und beim Royal Swedish Ballet. Schon früh interessierte ihn weniger die reine Bewahrung klassischer Formen als die Frage, wie Tanz existenzielle Themen auf einer großen Bühne sichtbar machen kann. 1954 gründete er Les Ballets de l'Étoile, später Ballet Théâtre de Maurice Béjart.
Der Durchbruch kam Ende der 1950er-Jahre mit Arbeiten wie Le Sacre du printemps. 1960 wurde Béjart in Brüssel zum Leiter des Balletts am Théâtre Royal de la Monnaie und gründete dort das Ballet du XXe Siècle. Diese Kompanie wurde zu einem der prägenden Ensembles des modernen europäischen Tanzes. Béjart setzte auf große Themen, starke Körperbilder, internationale Tänzerinnen und Tänzer und eine Form von Choreografie, die auch Menschen erreichte, die sonst selten ins Ballett gingen.
Besonders berühmt wurde Béjarts Choreografie zu Maurice Ravels Boléro. Die Arbeit konzentriert sich auf Rhythmus, Wiederholung, Steigerung und eine zentrale Figur auf einem Tisch, umgeben von einer Gruppe. Das Stück wurde von Tänzerinnen und Tänzern wie Duska Sifnios, Jorge Donn und Maya Plisetskaya geprägt und gehört bis heute zu den meistzitierten Werken des modernen Tanzes. Seine Kraft liegt darin, dass es einfach erscheint und zugleich eine enorme körperliche und theatrale Spannung erzeugt.
1987 verlegte Béjart seine Kompanie nach Lausanne und gründete das Béjart Ballet Lausanne. Dort setzte er seine Arbeit mit neuen Stücken und Wiederaufnahmen fort. 1992 entstand die Schule Rudra Béjart, die junge Tänzerinnen und Tänzer in Technik, Musik, Theater, Rhythmus und Bühnenbewusstsein ausbildete. Für Béjart war Tanz nie nur schöne Bewegung; er verstand ihn als Gesamtform aus Körper, Klang, Mythos und Gegenwart.
Béjart erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Erasmuspreis, den Praemium Imperiale und den Kyoto-Preis. Seine Arbeiten wurden weltweit gezeigt und von einem großen Publikum gefeiert. Zugleich blieb er unter Kritikern umstritten: Manche sahen in seinem Theater eine Öffnung des Balletts, andere empfanden Pathos und große Bilder als zu direkt. Gerade diese Spannung gehört zu seiner Wirkung. Béjart wollte Tanz nicht klein und exklusiv halten, sondern als Ereignis, das Menschen körperlich und emotional erreicht.
Maurice Béjart starb am 22. November 2007 in Lausanne. Er wurde 80 Jahre alt. Sein Werk bleibt mit einer seltenen Bühnenenergie verbunden: große Musik, starke Gruppenbilder, einzelne Körper im Zentrum und die Vorstellung, dass Tanz zugleich populär, anspruchsvoll und rituell sein kann.