

Deutscher Filmregisseur
Michael Verhoeven (* 13. Juli 1938 in Berlin; gestorben am 22. April 2024 in Grünwald bei München) war ein deutscher Regisseur, Drehbuchautor, Produzent, Schauspieler und Arzt. Seine Filme verbanden Erzählkino mit politischer Recherche, besonders dort, wo es um Nationalsozialismus, Verdrängung, Verantwortung und das Schweigen der Nachkriegsgesellschaft ging.
Verhoeven wurde in eine Schauspielerfamilie geboren. Sein Vater Paul Verhoeven war Schauspieler und Regisseur, seine Mutter Doris Kiesow Schauspielerin. Schon als Kind stand Michael Verhoeven auf der Bühne und spielte in Filmen wie Das fliegende Klassenzimmer. Zugleich entschied er sich für ein Medizinstudium und promovierte 1969. Neben der filmischen Herkunft brachte er dadurch eine wissenschaftlich genaue, prüfende Arbeitsweise mit.
Bei Dreharbeiten lernte Verhoeven Senta Berger kennen. 1966 heirateten beide und gründeten die Produktionsfirma Sentana Filmproduktion. 1967 entstand mit Paarungen sein Regiedebüt nach August Strindberg. Die gemeinsame Produktionsarbeit gab Verhoeven die Möglichkeit, eigene Stoffe zu entwickeln und unabhängig zu arbeiten. Die Familie blieb zugleich Teil seines filmischen Umfelds; seine Söhne Simon und Luca arbeiteten später ebenfalls in der Filmbranche.
Verhoeven suchte Stoffe, die Konflikte nicht glätteten. Der Vietnamkriegsfilm o.k. führte 1970 bei der Berlinale zu einer schweren Festival-Krise. Später richtete sich sein Blick immer wieder auf deutsche Geschichte, auf Akten, Erinnerungen, Verweigerung und die Frage, wer Verantwortung trägt. Als Filmemacher machte er solche gesellschaftlichen Konflikte durch Figuren und Situationen sichtbar.
Mit Die weiße Rose erzählte Verhoeven 1982 von der Münchner Widerstandsgruppe um Sophie und Hans Scholl. Der Film folgt der Arbeit des Widerstands bis zu seinem Ende: Flugblätter, Gespräche, Zweifel, Angst und Entschluss. Nach dem Film wurde erneut öffentlich darüber gesprochen, dass die Todesurteile des Volksgerichtshofs gegen Mitglieder der Weißen Rose rechtlich noch nicht aufgehoben waren. Verhoevens Film trug dazu bei, diese Frage politisch sichtbar zu machen.
1990 folgte Das schreckliche Mädchen, angeregt durch den Fall der Passauer Schülerin Anna Rosmus. Der Film erzählt von einer jungen Frau, die zur NS-Geschichte ihrer Heimatstadt recherchiert und auf Ablehnung, Ausweichen und Aktenverschlüsse trifft. Die Mischung aus Satire, Abstand und genauer Beobachtung machte den Film international wahrnehmbar; 1991 wurde er für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.
Verhoeven arbeitete weiter für Kino und Fernsehen, unter anderem an Mutters Courage, Der unbekannte Soldat, Menschliches Versagen und Let's go!. Am 22. April 2024 starb er in Grünwald bei München nach kurzer schwerer Krankheit. Er wurde 85 Jahre alt. Seine Filme bleiben mit einem Blick verbunden, der Geschichte nicht als abgeschlossen behandelt, sondern nach ihren Folgen im Alltag fragt.
bis 2024