

Slowakischer Politiker und Staatspräsident
Andreas-Friedhof
Michal Kováč (* 5. August 1930 in Ľubiša; gestorben am 5. Oktober 2016 in Bratislava) war ein slowakischer Ökonom, Bankfachmann und Politiker. Von 1993 bis 1998 amtierte er als erster Präsident der unabhängigen Slowakischen Republik. Seine Amtszeit fiel in die schwierige Anfangsphase des neuen Staates und war von starken Konflikten mit Ministerpräsident Vladimír Mečiar geprägt.
Kováč studierte Wirtschaft in Bratislava und arbeitete viele Jahre im Bankwesen. Er war in der Tschechoslowakischen Staatsbank tätig, unterrichtete zeitweise in Kuba und arbeitete in der Londoner Filiale der Živnostenská banka. In den 1960er-Jahren gehörte er zu den Fachleuten, die eine Reform des tschechoslowakischen Bankensystems unterstützten. Nach dem Ende des Prager Frühlings wurde er politisch zurückgestuft und arbeitete wieder in weniger einflussreichen Positionen.
Nach der Samtenen Revolution kehrte Kováč in die öffentliche Politik zurück. Er wurde Finanzminister der Slowakischen Republik und wirkte am Umbau des Bank- und Wirtschaftssystems mit. 1992 stand er an der Spitze der Föderalversammlung der Tschechoslowakei, in einer Zeit, in der die Auflösung des gemeinsamen Staates vorbereitet wurde. Diese Übergangsphase brachte ihn in eine zentrale Rolle zwischen alter Föderation und neuer slowakischer Staatlichkeit.
Am 15. Februar 1993 wurde Kováč vom Nationalrat zum ersten Präsidenten der unabhängigen Slowakei gewählt; am 2. März trat er das Amt an. Er kam aus dem Umfeld der Bewegung für eine Demokratische Slowakei, löste sich aber zunehmend von der Politik Vladimír Mečiars. Kováč verstand das Präsidentenamt als überparteiliche Institution und geriet dadurch in einen offenen Konflikt mit der Regierung.
Die Jahre 1993 bis 1998 waren für die Slowakei eine Phase der Selbstdefinition. Kováč trat für eine pluralistische, europäisch orientierte Demokratie ein, während die Regierung Mečiar international wegen autoritärer Tendenzen kritisiert wurde. Besonders belastend war die Entführung von Kováčs Sohn nach Österreich im Jahr 1995, eine Affäre, die jahrelang mit dem slowakischen Geheimdienst und der politischen Krise der 1990er-Jahre verbunden blieb. Kováčs Präsidentschaft wurde dadurch zu einem Symbol des institutionellen Widerstands gegen Machtkonzentration.
Nach dem Ende seiner Amtszeit zog sich Kováč weitgehend aus der Tagespolitik zurück, blieb aber eine wichtige Figur der slowakischen Erinnerung an die ersten Jahre der Unabhängigkeit. Spätere Präsidenten und Politiker würdigten ihn als einen Mann, der in einer unsicheren Zeit am demokratischen Charakter des Staates festhielt. Seine Rolle wird deshalb nicht nur über formale Ämter verstanden, sondern über den Streit um die Richtung der jungen Republik.
Michal Kováč starb am 5. Oktober 2016 in Bratislava. Er wurde 86 Jahre alt. Die Slowakei verabschiedete ihn mit einem Staatsbegräbnis. Sein Name bleibt mit dem Beginn der modernen slowakischen Präsidentschaft und mit der Frage verbunden, wie ein neuer Staat demokratische Institutionen schützt.