

Schweizerisch-französische Malerin und Bildhauerin
Niki de Saint Phalle (* 29. Oktober 1930 in Neuilly-sur-Seine als Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle; gestorben am 21. Mai 2002 in La Jolla, Kalifornien) war eine französisch-US-amerikanische Künstlerin. Sie arbeitete mit Malerei, Assemblage, Performance, Film, Grafik, Skulptur und begehbarer Architektur. Bekannt wurde sie durch ihre Schießbilder, die farbintensiven Nanas und den Tarotgarten in der Toskana.
Saint Phalle wurde in eine wohlhabende französisch-amerikanische Familie geboren, die nach der Weltwirtschaftskrise an Sicherheit verlor. Als Kind zog sie mit der Familie nach New York, blieb aber durch Reisen und Verwandtschaft eng mit Frankreich verbunden. Ihre Jugend war von Rebellion, Schulwechseln und schweren Verletzungen geprägt. Später sprach sie öffentlich über Gewalt in der Familie und über sexuellen Missbrauch durch ihren Vater. Viele frühe Bilder und Aktionen tragen eine spürbare Wucht, ohne dass sich ihr Werk auf diese Erfahrung reduzieren lässt.
Als junge Frau arbeitete Saint Phalle als Model; Fotos erschienen unter anderem in Modezeitschriften. Mit achtzehn heiratete sie Harry Mathews, später Schriftsteller, und bekam zwei Kinder. 1953 wurde sie nach einem psychischen Zusammenbruch in einer Klinik in Nizza behandelt. Dort begann sie ernsthaft zu malen und fand in der Kunst eine Form, innere Gewalt, Erinnerung und Fantasie zu ordnen. Sie blieb Autodidaktin, suchte aber konsequent die Nähe zu Künstlerinnen, Künstlern und neuen Formen der europäischen Nachkriegskunst.
Anfang der 1960er-Jahre entwickelte Saint Phalle ihre Tirs, die Schießbilder. Sie montierte Gegenstände und Farbbeutel auf Reliefs und ließ mit Gewehren oder Pistolen auf die Werke schießen, sodass Farbe auslief und das Bild während der Aktion entstand. Diese Arbeiten waren aggressiv, theatralisch und öffentlich. Sie richteten sich gegen erstarrte Bilder von Weiblichkeit, Religion, Nation und Autorität. Saint Phalle wurde Teil des Nouveau Réalisme und blieb dort eine der wenigen Frauen, die sich mit eigener Stimme durchsetzten.
Ab 1965 entstanden die Nanas: große, farbige, tanzende Frauenfiguren mit runden Formen, Ornamenten und einer fast überwältigenden Gegenwart. Sie wirkten fröhlich, aber nicht harmlos. Nach den verletzenden und zerstörerischen Schießbildern setzten die Nanas weibliche Körper als Kraft, Bewegung und selbstbewusste Fülle in den Raum. 1966 wurde Hon im Moderna Museet in Stockholm zu einer begehbaren Riesenskulptur. Später folgten zahlreiche öffentliche Arbeiten, oft gemeinsam mit Jean Tinguely oder in direkter Auseinandersetzung mit Architektur.
Der Giardino dei Tarocchi in Garavicchio wurde zu Saint Phalles größtem Lebensprojekt. Inspiriert von Antoni Gaudí, vom Park Güell und von Tarotmotiven baute sie über viele Jahre eine Landschaft aus monumentalen Figuren, Spiegeln, Keramik, Glas und Mosaiken. Sie finanzierte das Projekt mit eigenen Mitteln, Editionen und einem Parfum. Der Garten öffnete 1998 für das Publikum und zeigt Kunst nicht als Objekt im Museum, sondern als Umgebung, in die Menschen eintreten können.
In den 1990er-Jahren zog Saint Phalle aus gesundheitlichen Gründen nach La Jolla in Kalifornien. Ihre Lungenprobleme wurden mit giftigen Dämpfen und Materialien in Verbindung gebracht, mit denen sie über Jahrzehnte gearbeitet hatte. Sie blieb aktiv, arbeitete an Projekten in Kalifornien, Hannover und Jerusalem und engagierte sich auch für AIDS-Aufklärung. Niki de Saint Phalle starb am 21. Mai 2002 in La Jolla. Ihr Werk verbindet Schmerz, Farbe, Wut und Lebenslust, ohne diese Gegensätze glatt aufzulösen.
bis 1961
bis 1991