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Otto Sander (* 30. Juni 1941 in Hannover; gestorben am 12. September 2013 in Berlin) war ein deutscher Theater- und Filmschauspieler sowie Sprecher. Er gehörte zu den prägenden Gesichtern der Berliner Schaubühne, spielte in Filmen von Wim Wenders, Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta und Wolfgang Petersen und wurde durch seine unverwechselbare Stimme auch als Erzähler, Synchronsprecher und Hörbuchinterpret bekannt.
Sander wuchs in Kassel auf und studierte in München Theaterwissenschaft, Germanistik, Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie. 1964 nahm er Schauspielunterricht an der Otto-Falckenberg-Schule, 1965 debütierte er an den Kammerspielen Düsseldorf. Schon in diesen frühen Jahren zeigte sich, dass sein Spiel nicht nur auf große Gesten setzte. Er konnte komisch sein, still, präzise und zugleich körperlich sehr präsent.
1968 holte Claus Peymann Sander an die Freie Volksbühne in Berlin; ab 1970 spielte er an der Schaubühne am Halleschen Ufer. Dort arbeitete er mit Regisseuren wie Peter Stein, Klaus Michael Grüber und Luc Bondy. Die Schaubühne wurde in den 1970er-Jahren zu einem zentralen Ort des deutschsprachigen Theaters, und Sander gehörte zu dem Ensemble, das diesen Ruf mittrug. Besonders sichtbar wurde seine Theaterkraft 1979 in Robert Wilsons Death, Destruction & Detroit, einer langen, bildstarken Produktion, die von den Darstellern extreme Genauigkeit verlangte.
Im Kino bewegte sich Sander zwischen Autorenfilm und größeren Produktionen. Er spielte in Éric Rohmers Kleist-Verfilmung Die Marquise von O..., in Volker Schlöndorffs Die Blechtrommel und in Wolfgang Petersens Das Boot. In Margarethe von Trottas Rosa Luxemburg verkörperte er Karl Liebknecht. Diese Rollen zeigen seine Spannweite: Sander war kein Schauspieler, der jede Figur in denselben Ton zwang. Er konnte Nebenfiguren Gewicht geben, ohne sie aufzublasen.
Seine bekannteste Filmrolle wurde der Engel Cassiel in Wim Wenders' Der Himmel über Berlin. Neben Bruno Ganz machte Sander aus der Figur keine glatte Heiligenerscheinung, sondern einen stillen Beobachter der geteilten Stadt. Der Film wurde 1987 in Cannes gezeigt und prägte sein internationales Bild. Zugleich blieb seine Stimme ein eigenes künstlerisches Werkzeug. In Dokumentationen, Hörbüchern, Lesungen und Synchronarbeiten war sie warm, dunkel und sofort erkennbar, ohne dass sie nur Effekt wurde.
Sander blieb auf der Bühne, im Film und im Fernsehen präsent. Er trat im Kabarett auf, spielte in Serien und Fernsehfilmen, arbeitete als Erzähler und übernahm auch komische Rollen. In den Jahren 2000 und 2001 war er bei den Salzburger Festspielen als Tod in Hofmannsthals Jedermann zu sehen. Später spielte er unter anderem in Comedian Harmonists, sprach in Tom Tykwers Das Parfum und stand für Bis zum Horizont, dann links! noch einmal im Kino im Mittelpunkt.
Otto Sander starb am 12. September 2013 in Berlin. Er wurde 72 Jahre alt. Sein Werk bleibt mit einer besonderen Mischung aus Bühnenintelligenz, Humor, Melancholie und stimmlicher Präsenz verbunden. Er war ein Schauspieler, der Wirkung nicht über Lautstärke suchte, sondern oft über Timing, Blick, Haltung und den Klang eines Satzes.
bis 2013