

Deutscher Politiker und letzter Kronprinz von Österreich-Ungarn
Kapuzinergruft
Otto von Habsburg (* 20. November 1912 in Reichenau an der Rax; gestorben am 4. Juli 2011 in Pöcking) war der letzte Kronprinz Österreich-Ungarns, Publizist und Politiker. Nach dem Ende der Monarchie verbrachte er große Teile seines Lebens im Exil. Später wurde er zu einem Vertreter der europäischen Einigung und saß von 1979 bis 1999 für die CSU im Europäischen Parlament.
Otto wurde als ältester Sohn des späteren Kaisers Karl I. und der Kaiserin Zita geboren. Als Karl 1916 den Thron bestieg, wurde Otto Kronprinz. Die Monarchie zerfiel jedoch schon 1918. Für Otto bedeutete das eine Kindheit und Jugend ohne die politische Welt, in die er hineingeboren worden war. Die Familie lebte nach dem Krieg im Exil. Aus dem ehemaligen Thronerben wurde eine politische Figur, deren Leben dauerhaft von der Frage nach Republik, Dynastie und europäischer Ordnung begleitet war.
In den 1930er Jahren wandte sich Otto von Habsburg deutlich gegen den Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland. Während des Zweiten Weltkriegs lebte er im Ausland und setzte sich publizistisch und politisch für eine Zukunft Österreichs außerhalb des NS-Regimes ein. Diese Haltung machte ihn zu einem Gegner der Nationalsozialisten. Nach 1945 blieb seine Rückkehr nach Österreich dennoch politisch umkämpft, weil das Habsburgergesetz die Stellung ehemaliger Mitglieder des Herrscherhauses regelte.
Am 31. Mai 1961 unterzeichnete Otto Habsburg-Lothringen eine Erklärung, in der er auf Herrschaftsansprüche verzichtete und sich als Bürger der Republik Österreich bekannte. Die Erklärung löste innenpolitische Auseinandersetzungen aus, die als Habsburg-Krise bekannt wurden. Erst nach mehreren juristischen und politischen Schritten wurde ihm die Einreise nach Österreich wieder möglich. Diese Phase zeigt, wie lange die Folgen der Monarchie in der Zweiten Republik nachwirkten.
Seine spätere öffentliche Rolle lag nicht in der Restauration einer Monarchie, sondern in der europäischen Politik. Otto von Habsburg wurde Präsident der Internationalen Paneuropa-Union und setzte sich für ein geeintes Europa ein, das auch Mittel- und Osteuropa einbeziehen sollte. 1979 wurde er bei der ersten Direktwahl des Europäischen Parlaments für die CSU gewählt. Er blieb dort bis 1999 und sprach immer wieder für die Öffnung Europas nach Osten.
Am 19. August 1989 stand das Paneuropäische Picknick an der ungarisch-österreichischen Grenze unter der Schirmherrschaft Otto von Habsburgs und Imre Pozsgays. Die vorübergehende Grenzöffnung wurde zu einem wichtigen Symbol auf dem Weg zum Ende des Eisernen Vorhangs. Otto von Habsburg starb am 4. Juli 2011 in Pöcking. Seine Biografie reicht von der letzten Phase der Habsburgermonarchie bis zur europäischen Integration nach dem Kalten Krieg.
bis 1935
bis 2010