
Schweizer Philosoph und Schriftsteller
Peter Bieri (* 23. Juni 1944 in Bern; gestorben am 27. Juni 2023 in Berlin) war ein Schweizer Philosoph und Schriftsteller. Als Philosoph schrieb er über Bewusstsein, Freiheit, Erkenntnis, Sprache und Würde; als Romanautor veröffentlichte er unter dem Namen Pascal Mercier. Mit Nachtzug nach Lissabon erreichte er viele Leserinnen und Leser weit über den akademischen Raum hinaus.
Bieri studierte Philosophie, Klassische Philologie, Indologie und Anglistik, unter anderem in Heidelberg. Seine akademische Arbeit führte ihn in die analytische Philosophie, zur Philosophie des Geistes und zu Fragen danach, wie Menschen sich selbst verstehen. In Heidelberg habilitierte er sich; später lehrte und forschte er an verschiedenen Orten. Von 1993 bis 2007 war er Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin.
Für Bieri wurde Sprache zur gemeinsamen Achse von Philosophie und Literatur. Er fragte, wie Gedanken, Erfahrungen und Lebensgeschichten angemessen zur Sprache kommen. Diese Frage verband seine akademischen Bücher, seine Essays und seine Romane. Er schrieb nicht, um Theorie und Literatur voneinander zu trennen, sondern um beide Formen des Denkens miteinander ins Gespräch zu bringen.
Seit den 1990er-Jahren veröffentlichte Bieri literarische Texte unter dem Pseudonym Pascal Mercier. Perlmanns Schweigen spielte im akademischen Milieu und zeigte bereits seine Nähe zu Fragen von Sprache, Schuld, Selbsttäuschung und innerer Freiheit. Es folgten Der Klavierstimmer, Nachtzug nach Lissabon, Lea und Das Gewicht der Worte. Das Pseudonym hielt er nicht dauerhaft geheim; später schrieb er weiter als Pascal Mercier, während die philosophischen Texte unter Peter Bieri erschienen.
Viele Leser begegneten Bieri zuerst durch den 2004 erschienenen Roman Nachtzug nach Lissabon. Im Zentrum steht ein Berner Lehrer, der sein vertrautes Leben verlässt und in Lissabon den Spuren eines portugiesischen Autors folgt. Der Roman verband Reise, Erinnerung, Diktaturgeschichte, Freundschaft und die Suche nach einem eigenen Leben. Gerade darin wurde sichtbar, was Bieri auch philosophisch beschäftigte: Wie viel Freiheit ein Mensch hat, wenn er über sich selbst neu nachdenkt.
Neben den Romanen wurden auch Bieris philosophische Bücher weithin gelesen, darunter Das Handwerk der Freiheit und Eine Art zu leben. Für Pascal Mercier erhielt er 2006 den Marie-Luise-Kaschnitz-Preis; 2014 wurde Eine Art zu leben mit dem Tractatus-Preis ausgezeichnet. Die Universität Luzern erinnerte nach seinem Tod auch an seinen Ehrendoktortitel. Die Anerkennungen lagen genau an der Schnittstelle, an der Bieri arbeitete: philosophische Präzision, erzählerische Form und die Frage, wie Menschen ihr Leben verstehen.
Peter Bieri starb am 27. Juni 2023 in Berlin, wenige Tage nach seinem 79. Geburtstag. Er hinterließ ein Werk, das zwischen Philosophie und Literatur vermittelt, ohne eine der beiden Seiten zu vereinfachen. In seinen Texten kehren Fragen zurück, die Leserinnen und Leser aus dem eigenen Leben kennen: Freiheit, Selbstbild, Sprache, Erinnerung und die Würde eines gelebten Lebens.