

Deutscher Virologe
Peter Duesberg (* 2. Dezember 1936 in Münster; gestorben am 13. Januar 2026) war ein deutsch-amerikanischer Molekularbiologe und langjähriger Professor an der University of California, Berkeley. Er leistete frühe Beiträge zur Retrovirus- und Krebsforschung, wurde aber später vor allem durch seine wissenschaftlich widerlegten HIV/AIDS-Thesen bekannt.
Duesberg wuchs in Deutschland auf und promovierte 1963 in Chemie an der Universität Frankfurt. 1964 ging er nach Berkeley, zunächst für postdoktorale Arbeit im Virus Laboratory. Aus dieser Station wurde eine jahrzehntelange akademische Laufbahn. Er arbeitete in der Molekular- und Zellbiologie, betreute Nachwuchsforschende und blieb bis zu seiner Emeritierung mit Berkeley verbunden.
In seiner frühen Forschung untersuchte Duesberg Retroviren und Tumorentstehung. Er war an Arbeiten beteiligt, die das Verständnis viraler Onkogene voranbrachten, darunter die Identifikation des Onkogens src im Rous-Sarkom-Virus. Diese Forschung gehörte zu den Gründen, warum er in den 1970er- und 1980er-Jahren hohe wissenschaftliche Anerkennung erhielt. Später wandte er sich stärker der Frage zu, ob Chromosomenveränderungen und Aneuploidie zentrale Erklärungen für Krebs liefern.
Ab den späten 1980er-Jahren bestritt Duesberg die etablierte Erkenntnis, dass HIV unbehandelt AIDS verursachen kann. Diese Position stand und steht im Widerspruch zum wissenschaftlichen Konsens. NIH, CDC und WHO beschreiben HIV als Virus, das unbehandelt das Immunsystem schädigt und zu AIDS führen kann; antiretrovirale Therapie kann die Viruslast senken, Krankheitsprogression verhindern und Übertragung deutlich reduzieren. Die Auseinandersetzung war keine rein akademische Meinungsverschiedenheit, sondern betraf Aussagen mit Folgen für öffentliche Gesundheit.
Duesbergs Thesen fanden außerhalb der Fachmehrheit weiterhin Resonanz. Besonders sichtbar wurde das in Südafrika unter Präsident Thabo Mbeki, dessen Regierung den Ausbau antiretroviraler Behandlung verzögerte. Harvard-Forschende schätzten später, dass diese Politik zwischen 2000 und 2005 zu mehr als 330.000 vermeidbaren Todesfällen und zehntausenden vermeidbaren HIV-Infektionen bei Kindern beitrug. Duesberg war nicht allein verantwortlich für diese Politik, doch seine Argumente gehörten zu den Stimmen, auf die sich AIDS-Leugnung politisch und publizistisch stützte.
Auch nach der HIV/AIDS-Kontroverse arbeitete Duesberg weiter zu Krebs, besonders zu Aneuploidie und der Deutung von Tumoren als biologisch eigenständige Systeme. Diese Forschung blieb umstritten, aber sie zeigt die Linie, die ihn über Jahrzehnte beschäftigte: die Suche nach alternativen Erklärungen für komplexe Krankheiten. Bei HIV/AIDS wurde diese Suche jedoch zu einer öffentlichen Fehlspur, weil sie robuste klinische und epidemiologische Evidenz gegen sich hatte.
Peter Duesberg starb am 13. Januar 2026 im Alter von 89 Jahren. Berkeley beschrieb eine lange Verbindung zur Universität und nannte zugleich seine Rolle als öffentlicher Kontroversist. Sein Lebensweg verbindet frühe wissenschaftliche Leistung mit späterer Wirkung in Gesundheitsdebatten: Forschung, akademische Beharrlichkeit, Widerspruch und die Verantwortung, die wissenschaftliche Autorität in Gesundheitsfragen trägt.