

Deutscher Privatwaldbesitzer, forstlicher Verbandsfunktionär und Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus
Burg Heimerzheim, Swisttal
Burg Kreuzberg (Rheinland-Pfalz), Rheinland-Pfalz
Philipp Leopold Michael Hubertus Antonius Maria Freiherr von Boeselager (* 6. September 1917 in Heimerzheim bei Bonn; gestorben am 1. Mai 2008 in Altenahr) war ein deutscher Offizier, Volkswirt, Forstverbandsfunktionär und Beteiligter des militärischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Bekannt wurde seine Rolle im Umfeld des 20. Juli 1944, als er in die Pläne der Heeresgruppe Mitte eingebunden war und Sprengstoff für das Attentat Claus Schenk Graf von Stauffenbergs beschaffte.
Boeselager wuchs auf Burg Heimerzheim in einer westfälischen Adelsfamilie auf. Nach dem Abitur am Aloisiuskolleg in Bad Godesberg begann er 1936 eine Offizierslaufbahn im Reiter-Regiment 15 in Paderborn. Er nahm am deutschen Überfall auf Polen, am Feldzug gegen Frankreich und ab 1941 am Krieg gegen die Sowjetunion teil. Nach einer schweren Verwundung wurde er 1942 Ordonnanzoffizier bei Generalfeldmarschall Günther von Kluge in der Heeresgruppe Mitte.
An der Ostfront erfuhr Boeselager von deutschen Kriegsverbrechen im besetzten Gebiet. Anfang 1943 schloss er sich wie sein Bruder Georg dem Kreis um Henning von Tresckow an. Am 13. März 1943 war er in einen Attentatsplan bei Hitlers Besuch in Smolensk eingebunden; seine Abteilung war für die äußere Sicherung vorgesehen. Der Plan wurde aufgegeben, nachdem Kluge ihn ablehnte.
Für den Staatsstreichversuch vom 20. Juli 1944 beschaffte Boeselager Sprengstoff, der für das Attentat Stauffenbergs verwendet wurde. Außerdem war sein Reiterverband zur militärischen Unterstützung der Verschwörer eingeplant. Als der Umsturz scheiterte, kehrte die Einheit um. Boeselagers Rolle blieb zunächst unentdeckt, während viele Beteiligte verhaftet oder hingerichtet wurden oder Suizid begingen.
Nach dem Krieg studierte Boeselager in Bonn Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft. Er verwaltete den Familienbesitz und arbeitete in Verbänden der Waldbesitzer und Pferdezüchter. Von 1968 bis 1998 leitete er die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. Beim Aufbau der Bundeswehr wirkte er im Personalgutachterausschuss mit, ohne selbst Berufsoffizier der neuen Streitkräfte zu werden.
Seit den 1970er-Jahren sprach Boeselager in Vorträgen, Interviews und Publikationen über den militärischen Widerstand. Historische Forschung ordnet seine Erinnerungen zugleich in die Arbeit zum 20. Juli ein, weil Zeitzeugenberichte später von Gesprächen, anderen Memoiren und öffentlicher Erinnerung beeinflusst wurden. Philipp Freiherr von Boeselager starb am 1. Mai 2008 in Altenahr.