

Kasachischer Diplomat
Justizanstalt Wien-Josefstadt, Josefstadt
Sowjetunion
Wiener Zentralfriedhof
Rachat Älijew (* 10. Dezember 1962 in Alma-Ata; gestorben am 24. Februar 2015 in Wien), international meist als Rakhat Aliyev geschrieben, war ein kasachischer Politiker, Diplomat und Geschäftsmann. Er war mit Dariga Nasarbajewa, der Tochter des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew, verheiratet und gehörte jahrelang zum Umfeld der politischen Führung Kasachstans.
Älijew studierte Medizin, wechselte aber in Wirtschaft, Sicherheitsapparat und Politik. Er führte zeitweise die Steuerpolizei in Almaty, hatte Funktionen im kasachischen Sicherheitsdienst und war später Vizeaußenminister. In den 2000er Jahren vertrat er Kasachstan auch als Botschafter in Österreich und bei internationalen Organisationen in Wien. Seine Stellung beruhte auf staatlichen Ämtern, wirtschaftlichen Beteiligungen und seiner Verbindung zur Präsidentenfamilie.
2007 kam es zum offenen Bruch mit Nursultan Nasarbajew. Kasachische Behörden warfen Älijew Entführung, Erpressung und später die Beteiligung an der Tötung zweier Nurbank-Manager vor. Älijew bestritt die Vorwürfe und erklärte sie politisch motiviert. Österreich lehnte eine Auslieferung nach Kasachstan ab, weil ein faires Verfahren dort nicht gesichert erschien. In Kasachstan wurde er in Abwesenheit verurteilt; die österreichischen Verfahren liefen davon getrennt.
Nach mehreren Jahren außerhalb Kasachstans stellte sich Älijew 2014 den österreichischen Behörden. In Wien sollte gegen ihn im Zusammenhang mit dem Tod zweier Bankmanager verhandelt werden. Die Anklage war schwerwiegend; Älijew starb jedoch vor einem österreichischen Urteil. Damit blieb dieses Verfahren ohne Urteil gegen ihn.
Am 24. Februar 2015 wurde Älijew in einer Einzelzelle der Justizanstalt Josefstadt tot aufgefunden. Österreichische Stellen sprachen von Suizid. Seine Anwälte und später Vertreter der Familie bezweifelten diese Einschätzung und verlangten weitere Untersuchungen. 2017 berichtete Radio Free Europe/Radio Liberty über eine neue Einschätzung der Wiener Staatsanwaltschaft, wonach kein forensischer Nachweis für Fremdeinwirkung vorliege. Die Todesumstände blieben damit Teil der öffentlichen Debatte.
Rachat Älijews Lebensweg führt durch die politischen und wirtschaftlichen Machtverhältnisse Kasachstans nach dem Zerfall der Sowjetunion. Er war Insider, Diplomat, Geschäftsmann, Gegner seines früheren Schwiegervaters und Angeklagter in einem Verfahren, das Österreich mit Blick auf Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit beschäftigte. Sein Name bleibt mit Ämtern, Vorwürfen und offenen Fragen verbunden.