

Schweizer Chemiker und Nobelpreisträger
Winterthur
Friedhof Rosenberg
Richard Ernst (* 14. August 1933 in Winterthur; gestorben am 4. Juni 2021 in Winterthur) war ein Schweizer Chemiker und Hochschullehrer. 1991 erhielt er den Nobelpreis für Chemie für seine Beiträge zur Entwicklung der hochauflösenden Kernspinresonanz-Spektroskopie, kurz NMR. Seine Arbeit machte NMR empfindlicher, schneller und breiter nutzbar. Sie wurde wichtig für Chemie, Strukturbiologie und die methodischen Grundlagen späterer medizinischer Bildgebung.
Ernst wuchs in Winterthur auf und interessierte sich früh für Chemie und Technik. Er studierte an der ETH Zürich, wo er später auch promovierte. Die Verbindung von mathematischer Methode, präziser Apparatur und chemischer Fragestellung wurde für seine Forschung entscheidend. Nach Jahren in der Industrie und Forschung kehrte er an die ETH zurück und prägte dort über Jahrzehnte die physikalische Chemie.
Ein zentraler Fortschritt gelang Ernst in den 1960er-Jahren zusammen mit Weston Anderson. Statt ein NMR-Spektrum langsam Frequenz für Frequenz abzutasten, nutzten sie kurze Radiopulse und werteten das Signal anschließend rechnerisch mit der Fourier-Transformation aus. Dadurch wurde die Methode deutlich empfindlicher. Aus einer langsamen Spezialtechnik wurde ein leistungsfähiges Werkzeug, mit dem sich chemische Strukturen genauer und mit kleineren Probenmengen untersuchen ließen.
In den 1970er-Jahren trieb Ernst mit seinen Mitarbeitenden die zweidimensionale NMR-Spektroskopie voran. Dabei entstehen Spektren, die Beziehungen zwischen Signalen sichtbar machen und dadurch komplexe Moleküle besser verständlich werden lassen. Für die Chemie war das ein großer Schritt, weil nicht nur einzelne Resonanzen gemessen wurden, sondern Zusammenhänge innerhalb eines Moleküls. Diese Methoden halfen später auch bei der Untersuchung biologischer Makromoleküle.
Am 16. Oktober 1991 gab die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften bekannt, dass Richard Ernst den Nobelpreis für Chemie erhält. Der Preis würdigte methodische Entwicklungen, die NMR zu einem zentralen Messinstrument der modernen Chemie gemacht hatten. Ernsts Forschung war kein lauter Durchbruch im Sinne eines einzelnen spektakulären Experiments. Sie bestand aus geduldiger Verbesserung von Messung, Signalverarbeitung und Auswertung: genau dort, wo Wissenschaft oft dauerhaft wirksam wird.
Auch nach seiner Emeritierung blieb Ernst wissenschaftlich und kulturell interessiert. Er beschäftigte sich unter anderem mit tibetischer Kunst und nutzte naturwissenschaftliche Methoden, um Materialien und Pigmente zu untersuchen. Richard Ernst starb am 4. Juni 2021 in Winterthur. Seine Bedeutung liegt darin, dass er ein Messverfahren so verfeinerte, dass Forschende Moleküle genauer sehen, vergleichen und verstehen konnten. Damit wurde seine Arbeit zu einer Grundlage moderner chemischer Analyse.