

Deutscher Politiker (CDU); 1981–1984 Regierender Bürgermeister von Berlin, 6. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland
Waldfriedhof Dahlem
Richard von Weizsäcker (* 15. April 1920 in Stuttgart; gestorben am 31. Januar 2015 in Berlin) war ein deutscher Jurist und Politiker der CDU. Von 1984 bis 1994 war er Bundespräsident, zuvor Regierender Bürgermeister von Berlin. Sein Name ist besonders mit der Rede vom 8. Mai 1985 verbunden, in der er das Ende des Zweiten Weltkriegs als „Tag der Befreiung" bezeichnete. Weizsäcker prägte das Amt des Bundespräsidenten durch Sprache, historische Genauigkeit und den Anspruch, politische Orientierung über Parteigrenzen hinweg zu geben.
Weizsäcker wurde in eine bekannte württembergische Familie geboren. Sein Vater Ernst von Weizsäcker war Diplomat und später Staatssekretär im Auswärtigen Amt des nationalsozialistischen Deutschlands. Richard von Weizsäcker besuchte Schulen in mehreren Städten, begann 1937 Studien in Oxford und Grenoble und leistete ab 1938 Militärdienst. Er nahm als junger Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. Nach 1945 studierte er Rechtswissenschaften und Geschichte in Göttingen; beim sogenannten Wilhelmstraßenprozess unterstützte er seinen Vater juristisch. Diese biografischen Erfahrungen blieben für sein späteres Sprechen über deutsche Schuld, Verantwortung und Erinnerung wichtig.
Nach dem Studium arbeitete Weizsäcker zunächst bei Mannesmann und später in weiteren Wirtschaftspositionen. 1953 heiratete er Marianne von Kretschmann; aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. 1954 trat er der CDU bei, ohne sofort eine politische Karriere zu beginnen. Gleichzeitig spielte die evangelische Kirche für ihn eine wichtige öffentliche Rolle. Er gehörte dem Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags an und war in Gremien der Evangelischen Kirche in Deutschland tätig. Politik verstand er stark aus einer protestantisch geprägten Verantwortungsethik: nicht als bloßen Machtkampf, sondern als Dienst an Staat und Gesellschaft.
1969 wurde Weizsäcker in den Deutschen Bundestag gewählt. Dort übernahm er führende Aufgaben, unter anderem als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion und später als Vizepräsident des Bundestages. In den 1970er-Jahren arbeitete er an der programmatischen Ausrichtung der CDU mit. 1978 ging er nach Berlin, zunächst als Oppositionsführer. Von 1981 bis 1984 war er Regierender Bürgermeister von Berlin. Die geteilte Stadt wurde für ihn zu einem politischen Ort, an dem deutsche Frage, Freiheitsanspruch und Alltag der Menschen unmittelbar zusammenkamen.
Am 23. Mai 1984 wählte die Bundesversammlung Richard von Weizsäcker zum Bundespräsidenten. Er verstand das Amt nicht als unpolitische Repräsentation, sondern als moralische und sprachliche Aufgabe in einer Demokratie. 1989 wurde er ohne Gegenkandidaten wiedergewählt. In seine zweite Amtszeit fielen die friedliche Revolution in der DDR, der Fall der Berliner Mauer und die deutsche Wiedervereinigung. Als erster Bundespräsident des vereinten Deutschlands mahnte er Geduld, gegenseitige Achtung und die Bereitschaft, Einheit nicht nur institutionell, sondern gesellschaftlich zu gestalten.
Seine bekannteste Rede hielt Weizsäcker am 8. Mai 1985 im Deutschen Bundestag zum 40. Jahrestag des Kriegsendes. Er sprach über Leid, Schuld, Verantwortung und die Notwendigkeit ehrlicher Erinnerung. Besonders prägend wurde seine Formulierung, der 8. Mai 1945 sei für die Deutschen ein Tag der Befreiung gewesen: Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Die Rede wirkte weit über den Anlass hinaus, weil sie deutsche Verantwortung nicht relativierte und zugleich eine demokratische Zukunftsperspektive eröffnete.
Nach dem Ende seiner Amtszeit 1994 blieb Weizsäcker öffentlich präsent, hielt Vorträge und übernahm Aufgaben in Stiftungen und Kommissionen. Er starb am 31. Januar 2015 in Berlin. Beim Staatsakt im Berliner Dom wurde vor allem sein Umgang mit Sprache und Geschichte hervorgehoben. Seine Bedeutung liegt in einer Präsidentschaft, die Erinnerung nicht als Ritual behandelte, sondern als Voraussetzung politischer Freiheit. Damit wurde Richard von Weizsäcker zu einer prägenden Stimme der deutschen Nachkriegsgeschichte.
bis 1955
bis 1958
bis 1966